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Becken die Hände gereinigt hatten, setzten wir uns zur Tafel. Uns zu Ehren waren Sessel da, während man sonst mit untergeschlagenen Beinen sitzt. Auf grosser Kupferplatte lag am Rande vor jedem Gast das schmackhafte Brot; wir ergriffen unsere Löffel und tauchten lustig in den in der Mitte stehenden Suppentopf. Mit dem Suppenlöffel verschwand jedes europäische Geräth; die Mahlzeit wird mit den Fingern fortgesetzt. Alles greift in dieselbe Schüssel; Hammel, Huhn, Truthahn, vortrefflich zubereitet, wird mit den Fingern abgerissen und gegessen; Gemüse, Eingemachtes mit fetter Sauce mit Brotstücken herausgefischt. Immer wieder taucht man die Finger ein, nachdem man sie abgeleckt hat. Süsse Gänge machen mit einer Schüssel Reis den Schluss. Als Getränk laues, nicht filtrirtes Nilwasser.
Nach der Mahlzeit bringen die Diener wieder das Waschbecken, Alles reinigt die Hände, trinkt hierauf Kaffee und raucht Cigaretten. Die Gesellschaft war äusserst polyglott. Es wurde deutsch, französisch, englisch, italienisch, arabisch gesprochen, je nach der Kenntniss des Redenden oder des Angeredeten.
Ein Rennen, arrangirt vom „Luksor sporting club“(!), unterhielt uns einen Nachmittag: Eselreiten Einheimischer, Eselreiten von Herren, bei welchem CI. als Erster einlangte, Kameelrennen, Ringen von Eingebornen zu Fuss und auf Eseln, verschiedene Kraftproben. Die ganze Fremdencolonie in heiterster Stimmung, die Araber voll Interesse und Theil- nahme, die freilich, wenn sie sich in zu weitem Yordrängen äusserte, mit Schlägen belohnt wurde.
Ein sudanesisches Regiment, von englischen Officieren geführt, traf in Suakim ein. Schöne schwarze Leute, sollen treffliche Soldaten sein; der Anführer der Musik kämpfte
Franz Graf Th., Eine Orientreise. 4