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voriges Jahr noch gegen die Engländer, heute stolzirt er herum mit dem kleinen Stab in der Hand, als wenn er der vollblütigste Sohn Albions wäre.
Im Franziskanerkloster, einer unter Oesterreichs Schutz stehenden Mission, hatten wir einen Trauergottesdienst für unseren armen Kronprinzen. Alle officiellen Persönlichkeiten, der Koptenbischof, die Consuln etc. nahmen Theil an demselben.
Luksor, der besuchteste Ort am Nil, hat einen regen Fremdenverkehr; täglich kommen und gehen Dampfschiffe und Dahabijen. Zwei gute Hotels bieten entsprechenden Raum. Wir bleiben natürlich in unserem schwimmenden Hause.
Den letzten Abend sahen wir uns noch den Tanz der Ghavazi an. Beim Klange einer schlechten Musik schwebten diese Mädchen in kleinen Schritten im Zimmer herum, ihren ganzen Oberkörper fortwährend in zuckender Bewegung erhaltend. Die Castagnetten aus Metall in den Händen und die grossen Ketten von Geldmünzen, die bis über den Magen herabhängen, geben einen klingenden Lärm. Man muss Alles sehen, wenn auch nicht Alles schön ist!
Am 8. Februar früh verliessen wir Luksor, von dessen Schönheit wohl jeder entzückt sein muss. A^or Tagesanbruch weckte uns bereits die arbeitende Maschine des Dampfers. Kurz nach dem Frühstücke erreichten wir Esneh. Der Tempel wurde besichtigt; nur seine Vorhalle ist blossgelegt, da über ihm sich die Stadt erhebt. Diese Vorhalle, tief unter dem Niveau des Bodens liegend, ist aber wohl sehenswerth genug. Vierundzwanzig mächtige Säulen mit den verschiedensten Blüthencapitälen tragen die Decke. Der Tempel wurde von Tutmos III. begonnen, von den Ptolemäern vollendet. Die Wandflächen bedeckt mit Opferscenen; die