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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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Wasserspeier dienen. Die innere Raumeintheilung ähnlich wie in Dendera, nur reicher, im Adytum noch der heilige, aus Granit gefertigte, mit Hieroglyphen versehene Schrein für den göttlichen Falken, der hier gehalten und verehrt wurde. Der Tempel bestand bereits unter Tutmos III., wurde in der jetzigen Gestalt aber von den Ptolomäern 181 v. Chr. bis 80 n. Chr. gebaut. Die Darstellungen beziehen sich daher auf jenen Herrscher, stellen denselben manchmal vor, wie er Gefangene am Schopfe haltend züchtigt. Die Auffassung ist äusserst merkwürdig. In mehreren Reihen knieen # die Gefangenen eine beträchtliche Zahl im Profil nach rechts oder links schauend, nur der mittelste en face, die nach aussen gerichteten Hände wie zum Schwure erhoben, mit den inneren sich umfangend. Von dem Kopfe jedes Ge­fangenen geht ein Schopf, den der Sieger in der Linken hält, während er mit der Rechten ein Beil oder eine Geisel schwingt.

Auf enger Wendeltreppe erreichten wir die Decke der Pylonen, die, hoch über dem Tempelbezirk, einen prächtigen Einblick in denselben gewähren. Gegen Süden schliesst sich die Stadt an. Tief unter uns waren die braunen Hütten, nur die weissgetünchte Moschee hob sich durch Farbe und Grösse von der Umgebung ab. Die Häuser gedeckt mit Schilf, welches wieder verschiedenen Hausthieren als weiche Lagerstätte diente. Das Schilf wird aufgelegt gegen Kälte sowohl, als gegen den Sonnenbrand, es wird entfernt, wenn die Bewohner mehr Luft geniessen wollen. Man sieht in die Höfe hinein: die Familie kauert in einer Ecke, theilt den Raum mit dem Büffel, dem Esel oder der Ziege. Die Be­völkerung schon viel dunkler als zwischen Cairo und Luksor.

Die Hitze war tropisch: wir hatten 3 g 0 Celsius im Schatten am 8. Februar! Zu Hause ist Schnee und Eis, welch ein Gegensatz!