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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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In der Nacht war grosse Unruhe auf dem Schiffe; die Nachricht, dass es die einzige Nacht während unserer Fahrt ist, in der man das Sternbild des südlichen Kreuzes sieht, brachte eine Menge Passagiere, sehr leicht gekleidet, um 3 Uhr Morgens auf Deck. Gegen Süden zu, knapp über dem Horizonte strahlte uns das Gestirn annähernd in Kreuz­form entgegen, jenes Gestirn, das in allen Reisebüchern der südlichen Erdhälfte mit solcher Begeisterung beschrieben wird.

9. Februar. Zeitig morgens fuhr das Schiff auf einer Sandbank fest, und erst nach langer Zeit gelang es, dasselbe wieder flott zu machen. Die Scenerie ändert ihren Charakter. Die Hügel kamen beiderseits bis an den Fluss, man sah die Ruinen von der Stadt Selseleh, mit dem kleinen Tempel- chen, weiter die Steinbrüche, aus denen die Sandstein­quadern für die grossen Tempelbauten von Dendera,Theben und Edfu gewonnen wurden.

Wir fuhren durch die Wüste, nur hie und da ein ganz schmaler Streifen cultivirten Landes; die Festung Kum Ombu, mit den Resten eines aus der Ptolemäerzeit her­rührenden Tempels, in der glühendsten Mittagshitze be­sichtigt. Einige schöne Säulen, der vordere Theil durch das Wasser des Nil zu Fall gebracht, der rückwärtige von dem Wüstensand, durch den wir mühsam wateten, verweht. Wie lange wird es dauern, und die letzten spärlichen Trümmer sind dem Kampfe des Wassers mit der Wüste zum Opfer gefallen, und jede Spur dieses dem Gotte Sbock (mit dem Krokodilkopfe) geweihten Tempels ist verwischt.

In der Festung eine kleine ägyptische Besatzung von 24 Mann. Welch trostloser Aufenthalt mitten in der Wüste, alles gelb, glühender Sand, nur der Schatten der Gebäude! Die Gegend ist trostlos, 40 0 Celsius im Schatten, die ganze