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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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blickte das Terrain; es währte nicht lange, so näherte sich ein Thier der Lockspeise; ein wohlgezielter Schuss von mir streckte dasselbe zu Boden: es war ein Wolf. Rasch wurde er hereingebracht in unser Versteck und wieder warteten wir. Abermals huschten, leider zu weit, schwarze Gestalten über die Fläche dahin, doch kamen sie nicht wir hatten zu schlechten Wind! Nur einmal noch schoss H., doch ohne Erfolg, denn die Entfernung war zu gross. Ziemlich ver­schlafen kehrten wir nach 2 Uhr Morgens an Bord zurück. Nur der rastlos eifrige CI. zog gleich wieder auf Gazellen aus. Sein Fleiss ward belohnt; er erlegte einige englische Meilen vom Schiff zwei dieser netten Thiere.

11. Februar. Um 8 Uhr war Alles auf Eseln und Ka- meelen, und fort ging es durch die engen Gassen Assuans hinaus in die Wüste. In einem breiten Thale zwischen Granit­bergen und Kuppen zieht der Karawanenweg dahin. Zu unserer Linken die grossen Steinbrüche, aus welchen die Alten die Granitblöcke für ihre Obelisken, Sphinxe und Ko­losse nahmen. Ein Obelisk liegt noch halb vollendet da: wird je eine Generation kommen, die ihn hebt?

Rasch ging es weiter an einem Friedhofe vorbei, in dem die englischen Soldaten ruhen, die vor sechs Jahren, ferne der Fleimat, hier ihren Heldentod fanden.

Wild und ernst ist die Gegend; übereinander gethürmte Granitblöcke bedecken die Höhen, in den Mulden zusammen­gewehter Wüstensand; aber das Bild ändert sich rasch, man überschreitet einen Gebirgssattel und erblickt die grüne lachende Insel Philä, den südlichsten Punkt unserer Reise.

Wie ein Märchen liegt das Eiland vor uns mit seinen Palmen und anderen Bäumen und seinem zierlichen Tempel­pavillon, dem sogenannten Kiosk mit vorliegender Ter­rasse.