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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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gleichen Eindrücke. Die edelsten Züge, leicht gebogene Nase, leuchtendes Auge, hohe Stirne, umrahmt vom eigenthümlich hergerichteten, vorne hoch aufgekräuselten, rückwärts in Strähnen herabfallenden Haar, feine schlanke Gestalt, stand der Mann wie sinnend und schmachtend am Ufer und entlockte melancholische Laute seinem Instrumente: über eine Blech­schale hingezogenen Saiten.

Wie müssen die Frauen in dem Lande sein, wo es solche Männer gibt!!

12. Februar. Lange vor Sonnenaufgang war ich auf Deck, wollte die Abfahrt von Assuan und dieses hoch sehen. Leider war mein schöner Bischarijer nicht da.

Kaum noch graute der Morgen. In schwarzen Con- touren lag die Gegend vor uns, doch bald erglühte der öst­liche Horizont in goldenen Farben. Tief blau erschienen die Berge, hinter denen sich die Sonne strahlend erhob, ein Lichtmeer ergiessend über das westliche Ufer. Man sollte den Sonnenaufgang nie, vornehmlich aber nicht im Süden versäumen. H., ein schweigsamer Engländer und ich waren aber heute die einzigen Bewunderer der Pracht der Schö­pfung. Alle Anderen schliefen und erschienen erst, als die Sonne hoch stand.

Diese Rückfahrt auf dem Nil war so recht dazu an- gethan, all das Herrliche, was wir gesehen hatten, noch einmal in voller Müsse zu betrachten, denn ausser für die Nacht hielten wir nur mehr sehr wenig. Die treibende Kraft des Stromes half der Maschine des Schiffes und rasch schwam­men wir hinunter, am Abende erreichten wir Luksor.

Briefe aus der lieben Heimat erhalten und den herr­lichen Mondschein von der Terrasse des Hotels genossen.

In tiefer Ruhe lag die Gegend und der Nil in bläu­lich zitterndem Duft; hie und da zog ein Schiff mit