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Gegen Mittag fuhren wir auf eine Sandbank auf und beim Versuch, wieder flott zu werden, trieb uns der Wind mit solcher Gewalt an das sandige Ufer, dass wir erst nach etwa anderthalb Stunden Arbeit die Fahrt fortsetzen konnten.
Mittelst eines gewaltigen, an das .Schiff befestigten Hebebaumes, der im Ufer festgerannt und an dessen oberstem Ende ein Flaschenzug angebracht wurde, trachtete man, das Schiff zu heben. Die Bemannung und ein Theil der Reisenden ergriffen das Tau und im gleichmässigen Rhythmus zog Alles an; da riss das Tau und alle Ziehenden rollten im Sande. Allgemeine Heiterkeit! Nun wurde noch einmal ein Anker weit im Strom ausgeworfen und langsam zog uns die Maschine an diesen heran: das Spiel war gewonnen!
Wir trafen sehr verspätet in Siut ein. Briefe von zu Hause brachten uns alle traurigen Details über den Tod des Kronprinzen. Gott schütze und stärke unseren armen, armen Kaiser! gebe ihm die Kraft, dieses Unglück zu tragen!
Unsere Herzen und Gedanken sind trauernd in dem geliebten Vaterlande.
16. und 17. Februar. Ruhig schwammen wir den Fluss hinunter, auf welchem reges Leben die Nähe der Grossstadt verrieth; die Dampfpfeife musste häufig ertönen, um die verschiedenen kleinen Fahrzeuge zum Ausweichen zu veranlassen.
Die schöne Nilfahrt ging ihrem Ende zu. Die Koffer wurden gepackt; die Einkäufe, sowie die Bälge und Decken erlegter Thiere in grosse Körbe gethan. Von Zeit zu Zeit kurzer unfreiwilliger Aufenthalt auf einer Sandbank. Man erinnert sich an keinen so niedrigen Wasserstand wie heuer, und Alles klagt über den schlechten Stand der Früchte. Wie gesegnet muss das Land in guten Jahren sein!
Die Pyramiden erschienen: zuerst die sogenannte falsche von Medün, dann die von Dahschur, Sakhara und
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