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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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Anstossend an die Moschee ist ein zweiter grosser Hof mit dem Brunnen für die Waschungen und weiters noch in eigenem Gebäude ein grosses Wasserbassin für denselben Zweck.

Auch für die Waschungen gibt es genaue Vorschriften: zuerst werden die Hände gewaschen, dann die Füsse, hierauf das Gesicht; .etwas Wasser kommt über den Scheitel, dann werden die beiden Ohren zugleich mit den Daumen gereinigt, endlich der Unterarm. Alles geschieht mit feierlicher Miene. Gegenstand des Unterrichtes ist nur der Koran, der dem Orientalen die .Summe aller Wissenschaften ist und der neben den Glaubenslehren auch einige philosophische Kenntnisse und ein für einfache Verhältnisse genügendes bürgerliches Gesetzbuch enthält.

Der Gama el-Hassan galt der nächste Besuch; sie steht kaum hundert Jahre, ein äusserst glänzender Bau; pracht­volle Marmorsäulen tragen die Bögen, auf denen die Decke ruht. Es ist die Moschee, in welcher die sunnitischen Feste abgehalten werden. Der jetzige Khedive pflegt hier seine Gebete zu verrichten.

Feine Steinmosaik bedeckt die Wände und vornehm­lich die Kibla. Ein Stein mit einem Fussabdrucke des Pro­pheten wird gezeigt.

Bei der Stadt hinaus, in tiefem Sand, durch einen Hohl­weg zwischen hohen Schuttbergen fuhren wir zu den Chalifen- gräbern. In derWüste, am Fusse des Mokatamgebirges liegen diese malerischen, zum Theile prachtvollen Grabmoscheen früherer Flerrscher. Sie sind dem Verfalle preisgegeben; in manche von ihnen hat sich die arme Bevölkerung eingebaut. Ein eigener Zauber liegt über diesen zarten Minarets, über diesen zierlichen Kuppeln, die sich im Dufte der Sonne aus