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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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Trotz dieser jagdlichen Misserfolge war die Fahrt an­ziehend genug. Der seichte, grösstentheils durch die Wüste fliessende Nil mit seinen grossen .Sandbänken, die frucht­bare Insel mit weidendem Vieh und den Fellachen, die mit der künstlichen Bewässerung beschäftigt waren, boten des Sehenswerthen genug.

Die Barrage selbst ist ein grosser, von Mohammed Ali ausgeführter Bau: es sind zwei Brücken über die sich hier trennenden Nilarme von Damiette und Rosette. Die Brücken­öffnungen haben zum Theile Verschlussvorrichtungen, zum Theile sollten sie noch mit solchen versehen werden; man wollte den Nil von hier aus zur entsprechenden Höhe stauen, um die Canäle des Landes zu füllen und die viele Schöpf­arbeit zu ersparen. Der Versuch soll sich aber nicht bewährt haben. Die Brückenbögen sind mit Sand und Schlamm ver­tragen; die Millionen umsonst ausgegeben. Ein Schifffahrts- hinderniss ist entstanden; es wird gegenwärtig an einem neuen Canal gearbeitet.

23. Februar. Posttag, daher obligate Schreiberei; Briefe müssen abgesandt werden; damit verging der Vormittag.

Audienz beim Khedive Tewfik Pascha. Von Herrn von R. begleitet, begaben wir uns in das vicekönigliche Schloss Abedin. Eine breite, mit Wachstuch überzogene Treppe führt in den ersten Stock; europäische Möbel, Teppiche, Düstres in den Salons: Paris wird nachgeahmt, mit Unrecht der Orient verleugnet. Der Ceremonienmeister Tonino Pascha erwartete uns, um uns zum Khedive zu ge­leiten. Der Vicekönig spricht trefflich französisch, so dass die allgemein geführte Conversation nicht ins Stocken gerieth. Es war ein interesseloses Gespräch. Diener in schwarzem Rocke, mit dem Fez auf dem Kopfe reichten uns Cigaretten und Kaffee in den netten, aus filigranem Golde gearbeiteten