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Doch Manches möchte man noch einmal sehen ; und so fuhren wir denn Nachmittags zu den Pyramiden. Durch das Gewoge der Stadt, das nie ermüdet, über die Brücke und die Insel Gezireh, hinaus in die fruchtbare Ebene. Wohl meterhoch steht das Futter, das geschnitten, auf Kameele geladen und auf den Markt nach Cairo gebracht wird. Zahlloses Vieh weidet sich satt an diesem Reichthum.
Fellachenmädchen in ihren dunkelblauen langen Hemden laufen dem Wagen, Almosen heischend, nach; andere schöpfen Wasser; betende Männer, gegen Osten gewandt. Aneinander gebunden schreiten lange Reihen von Kameelen ruhig und bedächtig, den Kopf bald nach rechts, bald nach links wendend, dem heimatlichen Dorfe zu.
Der Araber, der auf dem Kameele sitzt, die Füsse gekreuzt, den Oberkörper anpassend an die schwingende Bewegung des Thieres, kaut ein Stück Zuckerrohr oder singt still einen monotonen Gesang vor sich hin.
Im tiefen Schatten der Lebbachakazien führt die Strasse schnurgerade durch die von der Sonne grell beleuchteten saftigen Felder zur Wüste hinaus. In scharfem Galopp der Pferde wird die Höhe erreicht.
Ernst erheben sich die Pyramiden, grossartig wirkend durch die Masse, unbekümmert um den vandalischen Steinraub, der an ihnen begangen wurde, indem man sie als Steinbrüche benützte. Zu ihren Füssen geschäftiges Leben: die Beduinen bieten sich zum Aufstieg an; sie begrüssen uns als alte Bekannte. Der Scheik reicht uns würdig die Hand, um sie dann feierlich an Mund und Stirne zu führen.
Dem Sphinx einen Besuch abgestattet: warm im Sande gebettet ruht der Riesenkörper, blickt unverwandt in das reiche Land, in welchem jetzt ein zwerghaftes Geschlecht nichts Dauerhaftes baut, sich plagt, die Steuern zu zahlen,
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