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Die Rhede von Jaffa ist eine der schlechtesten im Orient. Grosse Klippen, durch die man durchfahren muss, liegen vor der Stadt. Bei ganz bösem Wetter ist eine Landung unmöglich; dann müssen die Reisenden bis Caifa oder Beirut weiter fahren. Immer aber gehen die Dampfschiffe ziemlich vor der Stadt vor Anker. Heute aber war es Gottlob leidlich ruhig. Amphitheatralisch erheben sich die weissen Gebäude Jaffas auf den Ilöhen der Bucht. Tiefblau war das Meer, nur weiss schäumend über den Klippen und Riffen und weiss aufspritzend an den Felsen des Ufers. Mit kräftigem Ruderschlage passirten wir die gefährliche Stelle, eine schmale Durchfahrt durch die Steinblöcke benutzend. Hinter denselben war ruhiges Wasser und bald legten wir an. Zuerst geht Alles in das Zollgebäude. Gleich Thieren einer Menagerie wird man mit seinem Hab und Gut in den umgitterten Raum gesperrt. Die türkischen Zollbehörden sind sehr streng. Heute aber waren noch wenige wach, es war ihnen zu zeitig. Der amtirende Beamte liess uns bald des Weges ziehen: das „Bakschisch“ that seine Schuldigkeit.
Welche Gefühle beherrschen den Reisenden, wenn er das gelobte Land betritt, das Land, in welchem die Wiege unseres Glaubens stand, wo unser Heiland die sündhafte Menschheit mit seinem göttlichen Vater versöhnte. Was fanden hier für Kämpfe statt, um die Stätten des Glaubens dem Christenthume zu erobern! Wohl ist der Halbmond siegreich geblieben, aber zu Tausenden ziehen fromme Pilger an die geheiligten Orte. Unser erster Gang war in das katholische Kloster, wo wir der heil. Messe beiwohnten, dann zum Consul und endlich ins Gasthaus, um die Weiterreise anzutreten. Das Hotel steht in einer württembergischen Colonie und ist von einem Deutschen gehalten. Hier, wie in anderen Orten, so z. B. auch eine Stunde weiter, sind Ansiedlungen