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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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Eine Wanderung durch die .Stadt ist höchst merkwürdig. Die Mehrzahl der Strassen ist treppenartig. Ein grässliches Pflaster, in dem sich allerhand Unrath absetzt, bedeckt den Boden; die Gassen theils überwölbt, mit kleinen Licht­löchern, theils offen, enthalten auf beiden Seiten Laden an Laden; vorzüglich werden Gegenstände, die auf den heiligen Ort Bezug haben, verkauft, daneben allerhand Nahrungs­mittel, roh und zubereitet, unter letzteren wenig verlockende Gerichte: fette, gelbrothe Brühen, gebackene Fische, weisse und rothe geknetete Massen; ein warmer Oelgeruch erfüllt die Luft. Die herrenlosen Hunde, des Orients Sanitätspolizei, lungern herum oder kämpfen um einen Brocken. Ein dichtes Menschengedränge geht der Arbeit, dem Geschäfte, der Neu­gierde oder der Trägheit nach.

Die moslemischen Frauen tragen hier nicht mehr den Vorhang vor dem Gesichte wie in Aegypten; sie haben nach türkischer Sitte ein gesticktes, feines Tuch vor dem Antlitze, man sieht nicht einmal die Augen, wenn man sich auch noch so sehr bemüht.

In der Mitte der Citadelle, die einen sehr verwahrlosten Eindruck macht, erhebt sich nahe dem Jaffathore der massige Davidsthurm, dessen unterer Theil mit seinen geränderten Quadern den Eindruck macht, als könnte er aus den Zeiten des königlichen Sängers stammen. Von der Zinne lohnende Aus­sicht über die Stadt mit den flachen Dächern und kleinen Kuppeln. Blick auf den Patriarchenteich, ein grosses Regen­wasserreservoir, welches, von Häusern eingeschlossen, über­haupt nur von den Dächern zu sehen ist. Das armeni­sche Kloster mit der alten Kirche sehenswerth. An Thüren, Kanzel und Wänden Meisterwerke von Perlmuttermosaiken in dunklem Holze, reiche Altäre, Fayenceplatten bis über Manneshöhe an Pfeilern und Wänden, schöne Kuppel.