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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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Reiche. Ein grosser Hof, auf drei Seiten von Arkaden um­geben; blendende Marmorfliesse bedecken den Boden, in der Mitte unter einer Kuppel der Brunnen für Waschungen. In einer Reihe mit dieser die auf Säulen ruhende Schatz­kammerkuppel und die Stundenkuppel, in welcher sich die Uhr befindet. Die Arkaden werden von breiten Pfeilern, zwischen denen je eine schlanke Säule steht, gebildet. Die vierte Seite nimmt die Moschee selbst ein. Sie war ursprünglich eine christliche Kirche und barg das Haupt Johannes des Täufers. Zwei mächtige Säulenreihen mit feingearbeiteten korinthischen Kapitälen bilden drei .Schiffe. Von den Säulen laufen hufeisenförmige Bogen aus, auf denen die durch kleine Fenster unterbrochenen Trennungsmauern sich erheben. Ein einfaches, aber sehr schön bemaltes Deckengebälke über­spannt jedes der Schiffe. In der Mitte fehlen einige Säulen, so dass sich hier eine Art Kreuzschiff bildet.

Dieser Theil ist der einzige, welcher leidlich erhalten ist; prachtvolle Mosaiken, Bäume mit Früchten und Häuser vorstellend, bedecken die nördliche Wand, während auf der Südseite die reich in Stein ausgelegte Kibla (Gebetsnische) dem Andächtigen die Richtung von Mekka angibt. Fein durchbrochene Fenster mit färbigen Gläsern vermitteln das Licht in diesem Raume. Die anderen Theile entbehren jeden Wandschmuckes, sie sind weiss getüncht, die schönen Fenster sind verschwunden und durch einfache ersetzt. Die Marmor­platten des Fussbodens sind mit Teppichen belegt. Von allen Seiten führen Thore in die Bazare, und Alles geht, nachdem es sich des Schuhwerkes entledigt hat, geschäftig durch das Gotteshaus. Drei Minarets überragen die Moschee. Das niedrigste, das sogenannte Minaret der Braut, bestiegen wir, um einen Ueberblick über die Stadt zu gewinnen. Dieselbe macht einen eigenthümlichen Eindruck, man sieht in keine