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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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alle heissen. Hell leuchtet der frisch gefallene Schnee, hie und da unterbrochen von dem nackten Felsengrat; dunkel schliesst sich daran die kahle Lehne und im Thale das saftige Grün und die rothe Erde unbestellter Felder. Ueber Alles wölbt sich der tiefblaue Himmel. Gegen Osten erhebt sich der Antilibanon; die höchste Spitze des Hermon überragt selbst noch die Vorberge. Der Boden des hügeligen Landes war leidlich gut, so konnten wir denn einige lustige Galopps machen. Erst bei Ras el-Ain erreichten wir die Ebene selbst und nun liegt Baalbek mit seinen berühmten Tempelresten vor uns.

Baalbek selbst ist ein ansehnlicher Ort mit reinlichen Häusern. Er ist vorwiegend von Christen, und zwar unirten Griechen, welche einen Bischof hier haben, und Maroniten bewohnt. Gärten erstrecken sich vom Orte bis weit in das Thal hinab. Der Maulbeerbaum wird stark cultivirt, da viel Seidenzucht getrieben wird.

Baalbek war bereits im i. Jahrhunderte römische Colonie. Unter Septimius Severus und Antonius Pius ent­standen die Tempel: der grössere sämmtlichen Göttern ge­widmet, während der kleinere, dem Sonnengotte geweiht, der Stadt den Namen Heliopolis und Baalbek, d. i. Sonnenstadt, gegeben hat.

Unter Constantin soll eine christliche Basilika hier ge­baut worden sein; Kaiser Theodosius der Grosse liess gegen Ende des 4. Jahrhunderts den heidnischen Tempel zerstören und eine christliche Kirche in demselben aufführen. Die Araber nahmen den Ort ein; heidnischer Tempel und christ­liche Kirche wurden weiter zerstört und zu einem Ver- theidigungspunkt umgewandelt. Mit den alten Quadern wurden die Mauern erhöht, Thürme aufgesetzt und Schiess­scharten angelegt. In mehreren Kriegen wurde Baalbek