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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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über den Weg gezogen, und erst nach längerem Zureden Hessen sich unsere Pferde dazu bewegen, durch denselben zu gehen. Mit den Wegen wird hierzulande ganz merkwürdig umgesprungen. Bald werden sie aufgeackert und verschwin­den dann, bald werden sie als Wasserzuleitungsgräben benützt oder durch solche durchschnitten, dann wieder werden alle Steine der Umgebung auf sie geworfen. Lieber Reiter, schau wie Du durchkommst!

Wir folgen wieder dem Thale; nur in der schmalen Sohle ein Streifen vorzüglich berieselter Felder, der Bach von Weiden und Pappeln eingefasst, die steilen Lehnen kahl. In schräg abfallenden Lagen oder in gebogenen, den Mulden folgenden Linien liegt der Felsen. Unser Fusssteig hört auf; wir müssen ans jenseitige Ufer. Bis an den Bauch im Wasser arbeiten sich unsere Pferde durch den angeschwollen reissen­den Bach. Ich war froh, als Anna glücklich drüben angelangt war. Der junge Araber, der stets neben den Pferden herläuft, wickelte sich Alles, was er als Kleidung trägt, um den Kopf und watet als beturbanter Adam durch. Nun geht es beiläufig eine Stunde an dem Ufer hin, dann kommt wieder eine kleine Brücke und man ist beim Dorfe Jafufe angelangt, wo wir die Nacht zubringen. Es war spät geworden, als wir einrückten; die letzten Strahlen der untergehenden Sonne überzogen mit Purpurfarben das schroffe Gebirge, während wir im Thale schon lange im Abenddunkel waren.

6. April. In einem Seitenthale steil bergan kamen wir auf ein hügeliges Hochplateau mit überraschend schöner Aussicht. Vor uns lag die fruchtbare Ebene el-Bekaa, durch die der Litani fliesst; jenseits die ganze Kette des Libanon vom Djebel Baruk bis zum Djebel Akkar. Dicht beschneit der ganze Kamm und die Gipfel des Djebel Knese, des Djebel Sanin (2608M.), desDjebelFum el-Mizab, und wie die anderen