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beweisen, war dieser Tempel zur christlichen Kirche umgewandelt. Der ganze Complex beider Tempel ist Ruine, die Wirkung dieser gewaltigen Ueberbleibsel aber, die sich, von der Sonne beschienen, vom blauen Himmel des Südens abheben, grossartig. Ueberall der Ausblick ins fruchtbare Land, auf Gärten und Felder und auf die schneebedeckten Berge. Das Material der Tempel wurde vielfach zu Bauten verwendet. Eine grosse Moschee, ebenfalls in Ruinen, hat die Vorgefundenen Schätze, Säulen und Capitäle, von verschiedener Grösse, nicht zu einander passend, recht und schlecht benützt. Das Grab eines Schechs, in der Nähe der Stadt, ist von acht Granitsäulen gebildet, die Quadern tragen. Säulen und Quadern waren dem Dienste der Sonne gewidmet, der Granit aus Oberägypten herbeigeschafft; jetzt stehen sie wie verwaist in den Feldern an der staubigen nach Beirut führenden Landstrasse. Noch sei eines kleinen reizenden Tempels Erwähnung gethan, welcher nicht ferne der Akropolis steht, und, von Säulen umgeben, an den Vestatempel in Rom erinnert. Auf den gebogenen Architravbalken ziehen sich Fruchtguirlanden hin; Weinlaub und sonstiges Blattwerk ziert die Nischen.
Wir lagern bei den Steinbrüchen, aus welchen das Material für diese Bauwunder gebrochen wurde. Noch liegen halbbearbeitete Blöcke herum, auch ein Riesenstein ist von drei Seiten bearbeitet, haftet aber mit der vierten noch am Felsen.
Es ist ganz klar. Von den Zelten aus sehen wir die hohen Säulen sich in der durchsichtigen Luft über die Gärten erheben, dahinter das beschneite Gebirge. Es ist ein schöner Fleck Erde! Heute Nacht wird es wohl eben so kalt wie in der vergangenen werden, in der wir Eis in unseren Zelten fanden. Doch schlägt im Freien Alles gut an.
Franz Graf Th., Eine Orientreise.
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