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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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7- April. Am Fusse des Libanon angelangt beim kleinen Dorfe Ainata. Steil erhebt sich vor uns das kahle Gebirge, von grossen Schneeflächen bedeckt. Gegen Süden beschliesst der Gebirgsstock des Sanin den Ausblick.

Es ist Sonntag, und so waren wir denn in der Frühe in der schmucklosen, ärmlichen Maronitenkirche Baalbeks. Eine neue Kirche ist im Bau. Aus dem Felsen gehauen sind die Stufen, auf denen sich der Altar befindet. Durch ein Gitter ist das Gotteshaus getheilt; hinter demselben die Frauen, vorne die Männer. Anna, diese Sitte nicht kennend, war im vorderen Theile. Die Messe wird syrisch gelesen, das Volk antwortet dem Priester. Nach der Messe ritten wir los: durch Gärten und dann durch die Felder der Bekaa. Der Boden scheint sehr gut zu sein, doch ist die Vegetation noch nicht sehr entwickelt. Die Winterungen wie bei uns zu dieser Jahreszeit. Erst wenn man sich dem jenseitigen Höhenzuge nähert, werden die Felder sehr steinig.

Dehr el-Achmar liegt am Rande des Gebirges; wir ritten über Felsblöcke durch den grossen Ort: es ist die Dorfstrasse; nun geht es im steilen Thale die Berge hinan. Es muss hier in früheren Zeiten ein prächtigerWald gestanden haben, denn noch jetzt sind die Höhen von Stockausschlag von Eichen, von immergrünen Eichen und ausserdem von Juniperus-Arten überzogen. Zahllose Heerden finden hier im Winter ihre Nah­rung, während sie im Sommer auf den Höhen des Libanon weiden. Wir sind nunmehr im Gebiete des kriegerischen Stammes der Maroniten, die sich insoferne eine gewisse Selbstständigkeit erhalten haben, als sie sich einen christ­lichen Statthalter erkämpften. Die Gegend wird immer wilder. Jede Einsattlung bietet einen Blick auf das beschneite Ge­birge, doch noch ein ziemlich breites, bebautes Thal trennt uns von dem Libanon. Wir stiegen in dasselbe hinab und be-