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eine grossartige Aussicht sein, doch uns war sie leider grössten- theils durch Höhenrauch und Dunst verdorben. Gegen Osten übersieht man die Vorberge des Libanon, die Ebene el-Bekaa und die Kette des Antilibanon; der Hermon war verhüllt und der Vordergrund nicht klar; der Gebirgssee von Jammune am Fusse des Sanin nicht zu sehen. Gegen Westen war es etwas heller, doch auch hier deckte eine Wolkenbank das Meer. Vor Allem ist es der schroffe Halbkreis, den der Dhahr el-Kandil, der Djebel Fum el-Mizab (2063 M.), der Djebel Tis- marum (3212 M.), der Djebel Mnkmal (3052 M.), und der Dhahr el-Khodib (3o63 M.) bilden, welcher das Auge auf sich zieht. Stolz, miteinander durch hohe Sättel verbunden, erheben sie die beschneiten Häupter. Tief unten erscheint der Hain der Cedern, geschützt durch diese Berge. Eine tiefe enge Schlucht zwischen Felswänden, in welcher der heilige Fluss, der Nahr-Kadischa eingebettet ist, zieht sich in Windungen gegen Westen. Einzelne Dörfer, Discherre, Ehden und mehrere andere erscheinen mit ihren weissen Häusern wie Schwalbennester an die Felsen geklebt. Berg an Berg, Hügel an Hügel, so weit das Auge heute reicht. In der Ferne die Stadt Tripolis zu sehen. An Stelle des blauen Meeres dichte niedrige Wolken in der Form von Bergen.
Die äusserste Passhöhe ist schneelos, doch sogleich beim Abstieg kamen wir wieder hinein. Zuerst folgten wir dem Bischerrer Steig, doch bald mussten wir diesen verlassen, und nun ging es in eine tiefe Schlucht, welche bei den Cedern mündet. Der Schnee war noch fest, und mehr laufend als gehend, häufig ausgleitend erreichten wir in einer Stunde das Ziel. Wie Till Eulenspiegel erfreuten wir uns aber des Abstieges nicht, mussten wir doch nachher denselben Weg in mehr als doppelter Zeit wieder heraufmachen.
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