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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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zogen das Lager. Nur wenige Häuser, eine kleine Kirche in der Mitte, bilden das Hirtendorf. Die Bevölkerung staunt uns an wie die wilden Thiere.

8 . April. Unser Reiseplan ist gestört worden. Wir hatten ursprünglich die Absicht, von Ainata aus den Libanon beim Cedernpass zu übersetzen und dann vier Tage längs der west­lichen Abdachung desselben nach Beirut zu reiten. In Da­maskus schon hatten wir die Vermuthung, hier erlangten wir die Gewissheit, dass dies unthunlich sei. Es liegt so viel Schnee auf den Bergen, dass es unmöglich ist, mit der Karawane, mit Pferden, Maulthieren und Gepäck über dieselben zu gelangen. Wir beschlossen daher, die Reise­route zu ändern und östlich des Libanon die DamaskusBei- ruter Strasse zu gewinnen. Von einer Besteigung des Libanon aber und einem Besuche bei den Cedern Hessen wir uns nicht abbringen und widmeten diesem Vorhaben den heutigen Tag.

Um 6 Uhr brachen wir auf, um auf dem noch gefrorenen Schnee besser fortzukommen. Es war recht frisch, als wir die Pferde bestiegen, welche uns durch das Dorf und das kleine Thal am Bergabhange bis zur Schneegrenze bringen sollten. Die Sonne beschien die Gipfel, von den Höhen blies ein schar­fer Wind. In dreiviertel Stunden war es mit dem Reiten zu Ende und zu Fuss ging es weiter. Es ist ein ziemlich starker Verkehr zwischen Ainata und dem nächsten jenseitigen Dorfe Beschirre. Ein schmaler Steig war durch den Schnee aus­getreten. Diesem folgten wir. Er war fest gefroren und wie auf Stufen stiegen wir in einer Schlucht steil hinan. Die Führer, welche uns begleiteten, glauben, dass der Schnee noch beiläufig xo Fuss hoch liegt. Langsam ging es vor­wärts, Einer vor dem Andern.

Nach zwei Stunden Steigens hatten wir den Pass er­reicht, den Djebel el-Arz, 2348 Meter hoch. Von hier muss

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