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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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Wenige Spuren zeigen die frühere Einrichtung, denn die Einfassungsmauern und Sitzplatten wurden von Kalkbrennern verwendet. Westlich vom Stadion ist das Olympeion, der einst grosse Tempel des Zeus. Pisistratus begann den Bau, den erst Antiochus Epiphanes von Syrien im Jahre 174 v. Chr. voll­endete und Hadrian i3o n. Chr. weiters ausschmückte. Die blossgelegten Grundmauern zeigen die Grösse des Tempels; die i3 cannelirten Säulen mit korinthischen Kapitälen, der reiche von ihnen getragene Architrav und zwei Säulen der Südfront geben einen Begriff von der Pracht, mit der das Bauwerk ausgestattet war. Eine Säule fegte der Sturm im Jahre 1852 um; sie liegt in Stücken am Boden; wann werden ihr wohl die anderen folgen?

An diesen Tempel stösst das Thor Hadrians. Auf einem Bögen mit Pilastern erheben sich schlanke Säulen, welche seinerzeit durch Füllungen verbunden waren. Auf der einen Seite verkündet eine Inschrift:Dies ist Hadrians Stadt, nicht des Theseus, auf der anderen dagegen:Dies ist Athen, die alte Theseusstadt. Von hiergegen den Felsen der Akropolis sich wendend, erreicht man das reizende kleine Denkmal des Lysikrates. Es ist ein rundes Tempelchen im korinthischen Style, eine Blume krönt das Dach, unter welchem ein feines Relief, Dionysos mit Satyren darstellend, ausgemeisselt ist. Ein eherner Dreifuss, den Lysikrates im Jahre 335 v. Chr. als Preis errungen hatte, soll einst auf der Blume gestanden haben.

Um 12 Uhr hatten wir Herren Audienz beim Könige, der uns auf das Liebenswürdigste empfing und lange bei sich behielt. Zum Glück ist der König nicht so weit Grieche ge­worden, dass er nur griechisch spräche. Die Conversation in deutscher Sprache war eine allgemeine, sie betraf zum grössten Theile unsere Heimat und unsere Reise. Der König