214
stürme vieler Jahrhunderte, alle frevelnden Eingriffe der Menschen überdauert haben.
Nur das Erechteion war zugleich auch dem Poseidon geweiht, dem die Göttin Burg und Land entrissen hatte, und ein Tempel war Verehrungsstätte der Artemis.
Auf steiler Treppe steigt man hinan zu den Propyläen, diesem fünfthorigen, säulengeschmückten Eingänge in die Stadt der Heiligthümer; rechts steht der Tempel der Athene Nike mit dem zierlichen Fries und den jonischen Säulen; links die Pinakothek, deren Wände einst mit Bildern bedeckt waren. Auf dem Plateau erhebt sich das Parthenon, das Wahrzeichen der Stadt in seiner grossartigen Einfachheit mit der mächtigen Reihe cannelirter dorischer Säulen, welche die Cellawand umgeben, mit den Giebeln, in welchen in überlebensgrossen Figuren die Geburt der Athene aus dem Haupte des Zeus inmitten der olympischen Götterversammlung und der Kampf der Athene mit Poseidon dargestellt waren. Diese Statuen raubte Lord Eigin dem Lande, und Byron’s oben genannten Worte der Entrüstung stehen heute noch auf einer Säule des Parthenon. Unter dem Deckengebälke ziehen sich an der äusseren Cellawand Hautreliefs mit Centaurenkämpfen hin. Gegenüber dem Parthenon liegt das Erechteion, das älteste erhaltene Denkmal der Akropolis. An die Cella, das innere Gotteshaus, stossen gegen Osten und Norden von jonischen Säulen getragene Vorhallen, von denen die eine dem Dienste Poseidons gewidmet war, während gegen Süden weibliche Karyatiden in langem faltenreichen Gewände, die Haare in Flechten über die Schulter herabhängend, den Ar- chitrav der dritten Vorhalle tragen. Von allen übrigen Tempeln sind nur die Grundmauern und zum Theile die Säulenbasen zu sehen. Zahllose Säulenfragmente, Bruchstücke von Statuen, Steinplatten mit Inschriften bedecken den Boden