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bezaubert zu sein von dem, was er sieht: der Golf von Korinth und der Saronische, welche getrennt durch den schmalen Isthmus ihrer Vereinigung entgegenstreben. Im Osten die vielen Inseln, im Westen der grosse Wasserspiegel, hier wie dort die schroffe Bergeseinfassung, nur bei Korinth ziehen sich Felder längs des Meeres hin. Im Norden wie im Süden Berg an Berg, dazwischen scharf eingeschnittene Thäler. Man soll bei klarer Beleuchtung die Akropolis sehen, heute aber war es nicht hell genug. Doch die Berge zeigten sich bis zur unendlichen Ferne; der Kitheron, der Helikon, die beschneiten Gipfel des Parnass, der Killene und Chelmos und all die Berge, Felsen und Thäler Attikas, Böotiens, Doris’, von Korinth und Argolis. Helles Licht wechselt mit tiefem Schatten, nackter Fels mit dünn bewaldetem Rücken. Den Abstieg machten wir ganz zu Fuss, denn die Pferde sind schlecht und die Sättel, wenn man diese Folterinstrumente so nennen will, ganz schauerlich. Es ist ein Packsattel; eine hölzerne Lehne vorne und rückwärts, dazwischen hölzerne Stäbe, auf welche eine dünne Decke geworfen wird. Ein Strick stellt den Steigbügel vor. Die Heimfahrt mit der Bahn in der Abendbeleuchtung war wundervoll. Leuchtend violett erglänzen die Gipfel unter dem goldenen Himmel, während alle Töne des Blau sich in die Thäler und Niederungen lagern. Wer kennt nicht Rottmanns herrlichen griechischen Bildercyklus in der Münchner Pinakothek ? Er tauchte den Pinsel in die griechischen Farben, in das griechische Lichtmeer.
27. April. Seit den Dreissigerjahren entwickelt sich in Griechenland, angefacht durch die Studien deutscher und französischer Gelehrter, eine rege Forscherthätigkeit; es bildete sich die griechische archäologische Gesellschaft, welche nicht nur an den durch die Geschichte gekennzeich-