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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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thümer, die ein reicher, in Alexandrien lebender Grieche seiner Vaterstadt widmete; man glaubt im Bulakmuseum zu sein. Im dritten Saale sind griechische Terracottafiguren aus den Funden von Tanagra, zierliche, künstlerisch ausgeführte kleine Statuetten mit edlen Gesichtszügen und faltenreichen Gewändern; weiters alte Bronzen, die aus allen Theilen Grie­chenlands stammen. Im Saale der Vasen endlich eine reich­haltige Sammlung von Gefässen mit schwarzen und rothen Figuren, Krüge, Becher, Teller in edler Form und mit den feinsten Zeichnungen.

Am Nachmittag warfen wir einen Blick auf die einzig erhaltene Bazarstrasse Athens. Hier sind es die Bekleidungs­stücke, welche uns interessiren: die gestickten Jacken, die Fustanella, die rothen Schnablschuhe, reich gestickte Frauen­röcke und Schürzen. Flier war auch der Markt im alten Athen. Noch steht das alte säulengeschmückte Marktthor aus Julius Cäsars Zeiten und Reste Hadrianscher Markt­hallen.

Nicht weit davon ist der sogenannte Thurm der Winde, ein durch Wasser getriebenes Horologium (Uhrwerk), welches auf dem Boden des achteckigen Thurmes angebracht war. Unter dem Dache auf jeder Wandfläche ein den betreffenden Wind darstellendes Hautrelief vom Boreas bis zum Zephyrus. Das Gebäude soll im ersten Jahrhunderte vor Christo durch Andronikus von Kyrrhos in Syrien gebaut worden sein. Den Abend brachten wir im Schlossgarten, der von Königin Amalie angelegt wurde, zu. Eine wahre Oase in der staub­bedeckten Stadt. Unter Palmen, Cypressen, Platanen, Kiefern und Akazien ein Blumenmeer, ein betäubender Duft von Rosen, Veilchen und Orangen. Die Nachtigall schlägt in den Büschen. Man schreitet dahin auf schattigen Wegen, geniesst die Durchblicke auf die alten Ruinen, auf Land und Meer.