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eine Leiche. Die Soldaten, welche unter dem Galgen die Wache halten müssen, stopfen sich ihre Pfeifen und fangen gemüthlich zu rauchen an. Um die Zeit dcö Nachmittagsgebctes erscheinen die Verwandten des Verbrechers und nehmen den Leichnam vom Galgen ab, um ihn zu waschen und zu begraben. Ich sah in Char- thum eine Mutter, mit Asche aus dem Haupte, zum Galgen kommen, um den Leichnam ihres Sohnes abzunehmen und begraben zu lassen. Arme Mutter, welch' schwerer Gang!
Die Todesstrafe durch's Schwert ist seltener geworden, war aber früher sehr gewöhnlich. Während meines Aufenthaltes in Alerandrien wurden zwei Mörder hingerichtet, beide waren Soldaten und erlitten den Tod durch die Kugel. Der beliebten Art Musthafa Pascha's in Kordofahn, die Verbrecher vor eine Kanone zu binden und diese dann abzufeuern, habe ich schon Erwähnung gethan.
Als Vollstrecker aller Befehle der Justiz und Polizei dienen die Soldaten, „Aasakcr", wörtlich „die Eingeübten". Ohne mich mit einer Auseinandersetzung ihres kriegerischen Werthes oder Un- werthcs, ihrer guten oder schlechten Zusammensetzung u. s. w. beschäftigen zu wollen, gebe ich lieber meinen geneigten Lesern einige Pinselstrichc zu dem Gemälde ihres staatsbürgerlichen und häuslichen Lebens.
Der in ganz Egypten verachtete, von allen Müttern gefürch- tete (Th. 1 S. 51) Soldatenstand sucht sich, überall mit bestialischer Brutalität auftretend, in allen Lebensverhältnisscn geltend zu machen. Der Soldat erscheint als ein vom Staate, wenn auch nicht befugter, doch geduldeter Rnhestiftcr, unberufener Richter, Polizeimann, Frohn u. s. w. im öffentlichen oder häuslichen Verein der Egypter, ist herrisch gegen Niedere, kriechend gegen Hohe, betrügerisch, diebisch, faul, liederlich, leichtsinnig, aber, wenn er kämpft, wirklich tapfer, ausdauernd und genügsam. Seine Unordnung und Unrcinlichkeit ist in Egypten sprüchwörtlich und zeigt