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dem flüssigen Silber des segenspendenden Stromes, welcher, gleichsam einem unbekannten Nichts entquollen, sich wiederum im Weltmeere in's Nichts zurückwandeln muß. Aber an seinen vorüberei- lenden, sich ewig bildenden und ewig verschwindenden Wogen stehen als Gegensatz im fortwälzenden Strome der Zeiten, die in's Meer der Ewigkeit münden, die im vollen Sonnenlichte marmorweiß schimmernden Pyramidcnmasscn fest wie die Felsen, durch welche die libysche Wüste in langer monotoner Linie von der grünen Nilniederung abgeschnitten wird." —
Wir verlassen die Citadelle mit träumender Seele und wenden uns zur Besichtigung der Moscheen. Die schönste der altehrwürdigen Gebäude dieser Art ist die des Sultahn Hassan. Sie wird fast von jedem Reisenden besucht; auch wir haben sie bereits im ersten Theile dieser Blätter kennen gelernt. Ihre Erbauung fällt in die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts; Einige geben die Jahreszahl 1354 an. Weit interessanter ist die „Djämaä el Aaschr", wenn sie der Hassanmoschee an Schönheit auch bedeutend nachsteht. Sie wurde im Jahre 981 durch den General des Chaliefen Mues- el-Dihn-Mahi-Djanhur-Kaid erbaut. Acht Jahre später stiftete der Chaliefe Aasies Lillahi, die berühmte Hochschule, mit einer sehr zahlreichen, in ihrer Art einzigen Bibliothek, auf welcher jetzt noch ungefähr tausend Zöglinge Theologie studiren*). Früher wurden auch die Aerzte hier gebildet.
Jede Moschee zerfällt in drei Theile: indenVorhof, die Halle und den heiligen Raum mit der nach der Rich- tungslinie des Gebetes oder Khabala gelegenen Nische. Ihre innere Einrichtung ist mit geringen Abänderungen die-
*) Die Arzneiwissenschaft war bei den Mahammedanern bis zu Muhammed-Aali's Zeiten mit der Gottesgelahrtheit, so zu sagen, vereinigt. Das Volk gab mehr auf geschriebene Amülette, als auf wirkliche Arzneimittel. Die Wissenschaft ging traditionell von Einem auf den Anderen über. Doch mag sich auch wohl unter dem Bücherschatze der Bibliothek der Djämaä el Aaschr manche- gute medicinische Buch befunden haben.
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