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dem Volke hervor. Die Ulcma vereinigte sich und erklärte den Pascha sür abgesetzt. Allein die weltliche Gewalt besiegte die geistliche. Der Vizekönig nahm die widerwärtigen Schristgelehrten gefangen und schickte sie sammt und sonders in die Verbannung, damit sie dort „ihre durch vieles Studien geschwächten Geistesfähigkeiten erholen möchten." Jedoch sind die Moscheen noch nicht verarmt. Viele Arme, gewöhnlich Blinde, werden von ihrem Vermögen unterhalten, Hungrige gespeist, Kranke mit Arznei versehen,. Irre versorgt, Pilger und Reisende beherbergt und unter Anderen auch Brunnen gebaut. Einzelne Moscheen besitzen öffentliche Bäder und erhalten deren oft sehr bedeutende Einkünfte.
Die erwähnten öffentlichen Brunnen sind eine große Wohlthat für das Volk. Sie werden nicht von fließendem Wasser, sondern durch Sakhaht, welche ihre Schläuche in ein großes Bassin ausleeren, gespeist. Man sieht die meist halbkrcisrundcn Brunnenhäuser fast in jeder Straße, wenigstens in der Nähe einer Moschee. Messingbechcr hängen an Ketten aus eben derselben Metallmischung an dem Schnitzwerk der Einfassung zum Gebrauche eines Jeden, der trinken will. Um den Brunnen herum sind oft noch Steinbänke zum Ausruhen angebracht. Andere Brunnenhäuschen sind gairz verdeckt; nur steinerne Stufen und einige Heber mit Messing- mundstücken bezeichnen sie dein Vorübergehenden. Daran sieht man oft Durstige stehen und begierig an den Mcssingknöpfen saugen, um das nothwendige Lebensclement emporzuheben.
„Man muß diese Wasserspendcn gesehen, man muß, verschmachtet, selbst mit getrunken haben, um auch noch in der bloßen Erinnerung lebendig und mit Seele zu begreifen, was für ein schönes, natürliches und ewig wahres Menschcnthum sich in solchen Anstalten manife flirt und in welch' poetischer, jedes Menschenherz ergreifender Gestalt*)."
Ja, in der That, man muß im heißen Afrika gelebt haben, um das Wasser schätzen zu lernen, um zu begreifen, wie es dort die Hauptbedingung zur Möglichkeit des Lebens ist. In den dicht