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Zweiter Theil
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belebten Straßen Kairo'S gehen Wasserträger auf und ab, um den Durstigen ihr unschätzbares Getränk anzubieten. Sie tragen an Achselbändern auf dem Rücken eine große hohe Flasche mit blechen nein Ausguß, in den Händen Messingschalen (Tahse) und gehen rufend und mit den Schalen klappernd durch das Gedränge. Gro­ßes Vergnügen gewährt es dem Fremden, das Wasser auf eigne Rechnung verschenken zu lassen. Man gibt dem Sakha einen oder zwei Piaster und fordert ihn auf, das von ihm jedem Durstigen angebotene Labsal unentgeldlich zu verschenken. Mit lauter Stimme ruft er dann das Volk herbei, zugleich in seiner blumenreichen Rede dem Geber der durch ihn vertheilten Wohlthat dankend: Der Tag ist gesegnet, kommt herbei, meine Brüder, und trinkt sü­ßes, in dem unvergänglichen, segenspendenden Strome frisch geschöpf­tes Wasser! Ein Mildthätiger schenkt es Euch, er gab seine Gabe mir armen Manne, damit ich die Durstigen tränke und erquicke; bittet, daß Allah ihn segnen möge! Kommt Alle herbei, mein Ge­fäß ist gefüllt, mein Wasser ist süß, kommt und trinkt."

Selbst diese Wasserträger sind oft Gesandte der Moscheen, ge­wöhnlich bevorzugte Arme, denen man durch die Erlaubniß, in ei­nem gewissen Bezirke Wasser feil bieten zu dürfen, eine kleine Einnahme sichern will. Die Wohlhabenderen geben ihm für seine Spende fünf oder zehn Para, den Armen schenkt er umsonst.

Unter die öffentlichen Anstalten gehören auch noch die türki­schen, warmen Bäder. Sie sind täglich geöffnet und werden sehr zahlreich besucht. An gewissen Tagen sind sie Vormittags, an andere» Nachmittags den Männern verschlossen, weil dann die Frauen baden. Für Letztere ist das Bad ein Ort allgemeiner Zu­sammenkunft, weshalb eine türkische Dame auch stets wenigstens vier Stunden im Bade verweilt. Dorthin bringen die Mütter ihre Kinder, um diese von ihren Freundinnen bewundern zulassen, dort werden die Klatschgeschichten der ganzen Stadt erörtert und die Er­lebnisse gegenseitig ausgetauscht; kurz, es werden im Bade alle die weiblichen Angelegenheiten erledigt, welche unsere Damen in Kaffe- und Theegesellschaften zu besprechen Pflegen. Daß dann nur weib­liche Bedienung zugegen ist, versteht sich von selbst.