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Die gewöhnliche Badezeit der Männer ist früh, vor Sonnenaufgang oder kurz nachher. Selten wird gebadet, wenn man schon etwas genossen hat, bis zehn Uhr Vormittags aber ist das Bad stets besetzt. Der Türke hält es für einen der höchsten Genüsse und hat nicht Unrecht. Wenn der Europäer zum ersten Male ein „Hainahm" besucht, gefällt es ihm gewöhnlich nicht darin, allein bald verspürt man die wohlthätigen Folgen des Bades an seinem Körper und kehrt dann je öfter, je lieber in das Bad zurück. Nach einer zurückgelegten beschwerlichen Reise oder anderen Strapatzen ist es eine wirklich genußbringcnde Wohlthat. Der Türke besucht es sehr fleißig, weil ihm von seiner Religion nicht allein die größte Reinlichkeit auferlegt, sondern auch geboten wurde, bei gewissen Gelegenheiten den ganzen Körper zu waschen, um wieder ,,tahir" (s. S. 180 d. 1. Th.) zu werden*).
Von der Außenseite sieht ein Hamahm gewöhnlich nicht gerade einladend aus. Es gleicht manchmal einer Ruine mehr, als einem öffentlichen Gebäude und nur ein gut crhaltncs Thor scheint darauf hinzudeuten, daß man in einen noch unzcrtrümmerten Raum gelangt. Beim Eintritt kommt man zuerst in eine ziemlich erwärmte Vorhalle, an deren Wänden in verschiedenen Abtheilungen acht Fuß breite Erhöhungen hinlaufen. Hier sind Matratzen oder für das ärmere Volk Strohmatten ausgebreitet. Die Halle ist sehr hoch und von vielen langen Holzstangcn durchkreuzt, in denen die Badetücher zum Trocknen aufgehangen werden. Beim Erscheinen eines Badegastes wird eine der Matratzen mit einem Leintuche überdeckt und ein anderes stärkeres Tuch als Decke bereit gehalten. Man entkleidet sich und erhält von einem den Badewärtcr ein Leintuch als Schürze vorgebunden, ein anderes turbanähnlich um den Kopf gewickelt.
Nachdem man so zum Baden vorbereitet ist, wird man in das zweite Zimmer geführt, in welchem sich bereits eine ziemliche Hitze fühlbar macht. Der Boden des Gemaches ist heiß und schlüpfrig, weshalb man die Füße mit Holzpantoffeln bekleidet
*) kost ooncuditum lNskzmmoäsiii semper dslneo utuaiur