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häufig vor. Der alte Mahammcd-Aali, ein Mann, welchem die Europäer den meisten Dank schulden und den wenigsten zollen, half diesem Uebclstande ab. Er führte eine strenge Polizei ein; die Konsuln überwachten ihre Unterthanen schärfer und die Stellung der Christen wurde, wenigstens den Mahammedancrn gegenüber, immer besser.
Aber noch läßt die für die Europäer bindende, durch die Konsulate gehandhabte Gesetzvcrwaltung noch Manches zu wünschen übrig. Der sittlich gebildete Mensch bedarf zwar nirgends einer strengen Ucberwachung, wohl aber der Verbrecher. Und von letzteren treiben sich gar Viele unter den Europäern in Egypten herum, ohne daß sie jemals eigentlich so bestraft worden wären, als es in Europa der Fall gewesen sein würde. Die Generalkonsulate von Oesterreich, Preußen, England, Frankreich, Schweden und Dänemark verdienen alle Achtung; die übrigen lassen oft genug ein Verbrechen hingehen, ohne es zu ahnden. Aus Italien ist in neuerer Zeit der Abschaum des Landes nach Egypten gegangen; die verachteten Malteser und gefährlichen Griechen galten schon seit langer Zeit für den Auswurf der europäischen Nationen. Wie oft schon ist Mord vorgekommen, ohne daß der Mörder bestraft worden wäre! Man erzählt, daß ein Italiener, welcher einen Anderen erschlagen hatte, von seinem eigenen Konsulate bedeutet wurde, Egypten zu verlassen, weil man erfahren habe, daß die Hinterlassenen des Gemordeten den Mörder der Blutrache opfern wollten. Der Genannte entfernte sich. Von den Bestechungen der Beamten einzelner Konsulate wird so Viel gesprochen, daß, wenn auch nur der zehnte Theil davon wahr ist, das übriggebliebene Wahre immer noch unsere vollste Verachtung verdient. Im Winter von 1851 — 1852 nahm der Dicbstahl in Alerandrien so überhand, daß, um dem Uebel zu steuern, von türkischer und europäischer Seite die schärfsten Verordnungen getroffen werden mußten. Man fand fast jede Woche in den Straßen von Messerstichen durchbohrte Personen. Die Thäter waren nur Europäer. Im Januar oder Februar 1852 erstach ein Malteser in Gegenwart vieler Menschen, auf offener Straße und am Vormittage in der Nähe des ersten europäi-