2. Friedensarbeit
53
wiegend, zum Teil selbst ausschließlich staatsmänni- schem Inhalte.
Die Politik Österreichs war emsig dahin gerichtet, Toskana und die Herzogtümer Modena und Parma innig an Österreich zu knüpfen und auch den Kirchenstaat zu gewinnen, um Piemont zu vereinsamen. Die um den Anfang des Jahres 1848 abgeschlossenen Verträge brachten die Kleinstaaten militärisch in volle Abhängigkeit von Österreich; nach den Ereignissen des Jahres 1848 suchte die Regierung sie auch durch wirtschaftliche Vorteile an Österreich zu binden. Diese Bestrebungen führten nach langen und langwierigen Verhandlungen zu Verträgen über die freie Postschiffahrt, über den Bau der zentralitalienischen Eisenbahn und über die Herstellung telegraphischer Verbindungen, sowie zu einem Zolleinigungsvertrag. Der Umstand, daß diese Verträge mehr oder weniger bau- und verkehrstechnische Ziele im Auge hatten, da viele wichtige und schwierige technische Fragen mit ihrer Ausarbeitung in innigster Beziehung standen, machte die weitgehende Mitwirkung Negrelli’s um so mehr notwendig, als sich in ihm Ingenieur und Staatsmann vereinten; dazu traten die dauernden Aufgaben, die durch den Abschluß dieser Verträge Negrelli auferlegt wurden — denn nach dem Staatsmanne trat der Ingenieur auf das Arbeitsfeld. Am 3. Juli 1849 wurde zwischen Österreich, Modena und Parma eine Konvention abgeschlossen, die die Regelung der freien Schiffahrt auf dem Po von der Einmündung des Tecino bis zur Ausmündung in das Adriatische Meer sowie auf den Nebenflüssen des Po in dieser Strecke zum Gegenstände und die Förderung des Handels und Verkehrs zum Ziele hatte. Wohl hatten schon die Kongreßakte die freie Schiffahrt auf dem Po festgesetzt; aber Modena hinderte ihre Ausführung, indem es zwi-