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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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südlich davon die von Abusir und Sakara, dahinter der gelbe Sand der libyschen Wüste, im hügeligen Horizont das grüne, durch viele Baumreihen unterbrochene Nilthal, das Silber­band des Flusses nur an einigen Stellen zu sehen. Und vor uns zu unseren Füssen die Masr el-Kähira, die Stadt, lärmend, pulsirend, geschmückt durch Kuppeln und Mina- rets. Es ist nicht ein todter Complex von Häusern, es sieht aus wie ein lebender Körper. Man hört aus dem vieltausend­stimmigen Lärm ganz deutlich einzelne Stimmen heraus. Es ist unvergleichlich schön. Und an all dies rege Leben schliesst unvermittelt wieder das todte, starre Mokatam- gebirge, der Beginn der arabischen Wüste.

Auf der LIeimkehr wurde noch beim Esbekijegarten gehalten. Leider war es schon nicht mehr hell genug. Die ägyptische Musik hatte uns angezogen, ein närrisches Tschindadera!

Am 24. Jänner zeitig heraus. Ohne Ermüdung kann man stundenlang auf unserer Strasse sitzen, denn an uns läuft scheinbar ganz Cairo vorbei. Schöne Wagen mit den schmucken Vorläufern, Sais, in weissen, weiten, bis an die Kniee reichenden Hosen, weissen Aermeln, reich gestickter Jacke, einen Stab in der Hand; einfache Lohnwagen, Pferde, Esel, Kameele, Ziegen, alle Farben von Menschen, Ver­käufer aller Art, Schlangenbändiger etc. Und doch ist un­sere Strasse eine Einöde gegen die Muski und die anderen, an dieselbe angrenzenden Gassen.

Einige Besuche gemacht, unter Anderen bei unserem Generalconsul Herrn von R., einem alten Bekannten, den ich lange nicht gesehen. Bei ihm jener Achmed als Kavass, dem unser Kronprinz in Palästina auf der Schweinsjagd das Leben rettete. Dann bei Grafen Z., dem österreichischen Vertreter bei der ägyptischen Schuldverwaltung.

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