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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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für die Waschungen der Aegypter und der Türken. Zuletzt die Moschee Mohamed Ali, die sogenannte Alabaster­moschee auf der Citadelle, erst 1857 vollendet. Ganz beklei­det mit dem schönen Alabaster von Beni Sueff. Grosser Hof mit Brunnen, einem scheusslichen Uhrthurme, wie auf einer Eisenbahnstation mit einer Uhr, die Louis Philipp geschenkt hat. Das Innere äusserst reich, mit ganz pracht­vollen Smyrnaer Teppichen (gelber Grund), unzählige im Kreise aufgehängte Lampen. Zwei wundervolle schlanke Minarets, wie Nadeln.

Damit schlossen wir für heute die Besichtigung der Moscheen; es waren deren schon übergenug, denn die Bilder vermischen sich, und man erinnert sich am Ende nur schwer der einzelnen Details. Aber unser Dragoman liess uns nicht aus: er war unser Kismet, vor dem kein Entrinnen möglich war; wir mussten daher in alle gehen.

Ein Theil dieser Moscheen wird nicht mehr benützt, in den Anderen werden dem Fremden gelbe Pantoffel über­gestülpt, da man sonst sich der Schuhe entledigen müsste. Man sieht Betende, theils auf den Hocken sitzend, den Blick feierlich nach oben gerichtet und Worte murmelnd, theils tief sich verneigend den Boden mit der Stirne berührend. Auch ein Schriftgelehrter, auf gekreuzten Füssen sitzend, trug einigen Jüngern den Koran vor, in lautem, monotonen Tonfall der Stimme. Die Jünger schienen schwer von Be­griff denn sie stellten viele Fragen.

Auf der Citadelle hatten wir uns gegen Sonnenunter­gang eingefunden, um einen Ueberblick über die Stadt zu haben. Leider ging die Sonne in Nebel unter. Es war aber trotzdem ein bezaubernder Anblick. Weit im Westen die Pyramiden von Gizeh, die wir jetzt das erste Mal sahen,