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heimische Zuckerrübe findet, hinaus auf die grosse, bis zu den Pyramiden führende Allee, welche der frühere Khedive für die Anwesenheit der Kaiserin Eugenie anlegen liess. Nach einstündiger Fahrt, die manchmal zu einer Art Wettfahrt zwischen den verschiedenen AVagen ausartete, erreichten wir den Fuss der Wüste. Nun führt die Strasse in einem Bogen zwischen hohen Mauern, welche das Verwehen mit Sand verhindern sollen, zu der Cheops-Pyramide. Dort wird manallsogleichvon dem Beduinenscheik, der, wie ich glaube, die ganze Trinkgeldwirthschaft als sehr einträgliches Geschäft gepachtet hat, verschiedenen Kerls zugewiesen und der Aufstieg beginnt. Zwei Araber ergreifen die Hände, und, wenn die Stufen zu hoch sind, so hilft ein dritter durch Nachschieben; hinauf geht es unaufhaltsam, wenn man nicht energisch Ruhemomente verlangt. Liesse man sich Zeit, so wäre es gar keine Mühe, so aber ist ,es ein Stück Arbeit. Anna hatte es vorgezogen, unten zu bleiben, und hatte Recht gethan.
Interessant ist der Anblick einer grösseren aufsteigenden Gesellschaft, die, umgeben von einer Schaar weissgekleideter Araber, von Stufe zu Stufe hinaufrast.
Auf der Höhe angelangt, genossen wir die prachtvolle Aussicht. Am Rande der lybischen Wüste hatten wir in unserem Rücken dieses endlose Sandmeer, während vor unseren Augen sich das gesegnete Nilthal ausbreitete. Alles grün, Alles fruchtbar, von AVasseradern durchfurcht.
Ueber der Ebene Cairo im Dunste warmer Abendbeleuchtung, sich anlehnend an das kahle, öde Mokatamge- birge, den Beginn der arabischen Wüste. Von einem Denkmale nahezu sechstausendjährigen Alters schweift das Auge auf das blühende Land, welches seit Jahrtausenden seinen unbegrenzten Reichthum dem überfluthenden Nil verdankt.
Franz Graf Th., Eine Orientreise. 2