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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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ner, viereckiger, mit runder Kuppel überdachter Moschee standen im Halbkreise etwa zwanzig Derwische, in der Mitte von ihnen ein Schêch, der die Art des Gesanges intonirte und die Bewegungen andeutete. Um sie herum sassen in be­deutender Zahl die Fremden, die dieser merkwürdigen Cere­monie zusahen.

Theils singend, theils bei den Tönen einer Flöte oder der immer schneller und schneller geschlagenen Tambourine unarticulirte Laute ausstossend, die das WortAllah vor­stellen sollen, machen diese Exaltirten bald Bewegungen des Oberkörpers nach rechts und links, bald vor- und rück­wärts. Letzteres zum Schlüsse so schnell, dass man die Be­weglichkeit der Menschen anstaunen muss. Wird die Bewe­gung eingestellt, so machen einige dieselben wie mechanisch noch fort, während sich einer in Extase am Boden wälzt.

Einige von ihnen haben g'anz langes Haar, welches dann bei den Biegungen über das Gesicht herunterfällt und den Boden berührt oder hinten weit herunterhängt. Im Ganzen ist der Eindruck ein widerlicher, man meint unter Tollhäuslern zu sein. Würde abgesammelt, so müsste man glauben, dass es keine religiöse Uebung sei, sondern dass den dummen Fremden nur etwas vorgemacht werde. So muss man es allerdings für religiösen Fanatismus halten.

Die drehenden Derwische ruhen gegenwärtig, da ihr Schêch krank ist; hoffentlich ist der alte Herr wieder her­gestellt, wenn wir von Oberägypten zurückkehren, denn diese sollen noch viel origineller sein.

Verschiedene von Engländern arrangirte sportliche Vergnügungen führten uns nach Gezirêh. Ganz Albion war dort in eleganten Costümen; zuerst ein Citronendurch- schneiden in Carrière auf kleinen Ponies, dann eine Probe der Wendbarkeit derselben, ein Tandemreiten, Kraftzieh-