Dokument 
Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen

22

Der Erzieher des Hauses, ein langer Mohr, zeigte ihn uns. Dieser Schwarze, noch Sclave, begann seine Carrière als un­gefährlicher Gesellschafter der Damen, er zeigte aber so viele Talente, lernte so gut französisch, dass er jetzt Erzieher bei dem .Sohne, ich glaube, des Finanzministers ist. Ein grosser Diamant glänzte an seiner spinnenartigen Hand.

Die Pferde werden schlecht vorgeführt, respective geritten. Auf äusserst beschränktem Raume, einem kleinen Hofe, einer engen, in Winkeln gehenden Strasse wird das Pferd in Carrière herumgetrieben, scharf parirt, gewendet, dann wieder gejagt, den Trab bekommt man kaum zu sehen. Nur der Schimmelreiter zeigte den wundervollen Gang des Thieres mit richtigem Verständnisse. Einige schöne schwer­silberne Halfter, welche ich bei dieser Gelegenheit sah, würde ich mir gern verschaffen.

Nachmittags Ritt zu dem kleinen versteinerten Walde. Durch das Labyrinth kleiner Gassen und Gässchen jagten unsere Esel, gefolgt von den sie stets schlagenden Esel­jungen, durch das zierliche Thor Bab el-Futuh an Bab en- Nasr vorbei. Die Wüste beginnt unmittelbar an den Häu­sern, die Khalifengräber stehen schon in derselben.

Eine Karawane, vom Berge Sinai kommend, zog an uns vorbei im langsam gemessenen Schritt der Kameele. Fünf Tage von Suez ohne Wasser! Durch leicht hügeliges Terrain, stellenweise einige ausgewaschene Felsen, zottel­ten unsere Esel lustig weiter. Nicht die geringste Vegeta­tion, nur in den Vertiefungen hie und da eine kleine Fett­pflanze. Da hielten wir plötzlich. Es ist der versteinerte Wald!

Das hatten wir uns anders gedacht. Wir dachten an den heimischen Begriff von Wald, hier waren es blos ver­steinerte Holzstücke, zum Theil vom Sand leicht verdeckte,