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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
Entstehung
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Schiff heranzuschwimmen, um Gaben zu erbitten; leider hat ihr Patriarch aus Schicklichkeitsrücksichten dieses Ver­gnügen eingestellt. Ein prachtvoller, mitten in Palmen liegender Ort auf der arabischen Seite. Jetzt sind wir auf einer Sandbank aufgefahren; wir sitzen fest, obwohl wir nur einen Tiefgang von 2 1 / 2 Fuss haben. Man fährt häufig an und auf, so dass sich Niemand darüber aufregt; es wird dann mit Stangen abgestossen, die Maschine arbeitet mit Kraft, und man gleitet wieder über den Sand dahin.

An Minje vorbei, einer grösseren Stadt mit vicekönig- lichem Schloss. Nachmittag wurde in Beni Hassan gelandet. Eine Menge Esel erwartete uns am Ufer, umgeben von ihren Führern und einer grossen ZahlBakschisch erwar­tender, blauhemdiger, braunfarbener Burschen. Drei be­rittene Polizisten hielten Ordnung, d. h. von Zeit zu Zeit theilten sie an die Menschenmasse Hiebe aus, so dass diese, verfolgt von den Armen der Gerechtigkeit, weit auseinan­derstob, um allsogleich zurückzukehren. Hierauf erneuert sich dasselbe Bild. Mittlerweile wurden Sättel für Damen und Herren ans Land gebracht und auf die Thiere gelegt, ohne Rücksicht auf die Grössen derselben. Daher viele heitere Episoden; hier drehte sich ein Sattel beim Aufsitzen vollkommen, dort wieder war das Thier so jung und schwach, dass es die Last von Reiter und Sattel nicht tragen konnte. Manche, die schnell sich aufgeschwungen hatten und fort­zottelten, büssten die Eile durch einen späteren Sturz in den weichen warmen Sand. Anna hatte zuerst ein zu schwaches Thier, ein zweites entsprach leidlich, doch war es unter keiner Bedingung in eine schärfere Gangart zu bringen. N. und ich schleiften unsere Füsse am Boden, denn wir hatten reine Zwergesel erhascht, doch gingen sie gut. Endlich war die ganze Gesellschaft nach halbstündigem

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