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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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zwei kleine ; der Göttin Isis geweihte Tempel. xAlle Wand- flachen im Innern wie aussen sind über und über mit fein in den Stein gemeisselten Abbildungen überdeckt, die sich zum grossen Theile auf religiöse Verrichtungen beziehen. Die Könige wie die Götter werden immer weit über lebens­gross dargestellt. Erstere reichen ihre Opfergaben dar, während die Götter ihnen das ewige Leben gewähren; ver­sinnbildlicht ist dies durch einen an einen kurzen, kreuz­förmigen Stab befestigten eiförmigen Ring, einen Reif, der, ohne Ende, die Ewigkeit bedeutet. Die Gottheit hält diesen sogenannten Nilschlüssel entweder gegen den Mund oder umgibt diesen mit einem ganzen Kranz derartiger Reife.

An die Könige schliessen sich Priester an, mit Leo­pardenfellen bedeckt, Opferthiere und Früchte, dazwischen Hieroglyphen. Ueberall deutlich Farben zu sehen, darunter sehr lebhafte. Die Decken blau mit goldenen Sternen, auch wohl mit astronomischen Zeichen; über jedem Eingang die geflügelte Sonnenscheibe. Die Grossartigkeit der ganzen Anlage ruft eine bedeutende AVirkung hervor.

Das Schiff setzte seine Fahrt fort und brachte uns gegen 5 Uhr Nachmittags nach Luksor. Alles stand begierig auf Deck. Von AA'Vitem schon hatten wir grosse, aus der Ebene sich erhebende Baureste erblickt, Pylonen, diese mächtigen Eingangspforten ägyptischer Tempel, und die Obelisken von Karnak. Dann erschienen die Gebäude von Luksor, die Consulate beflaggt, wie die Schiffe am Ufer, Salutschüsse, eine wogende Menschenmenge, dazwischen ernst und weihevoll die grossartigen Reste des Tempels von Luksor. In die alten, wie für die Ewigkeit errichteten Ge­bäude nistet sich der Mensch von heute mit seinen elenden Hütten ein. Schutt, Sand und Unrath von Jahrhunderten stapelt sich auf. Die Pracht der alten Zeit versänke mehr