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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
Entstehung
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Ueberall erschallt der Ruf der lockenden, anbietenden Kaufleute. Hier werden gold- und silbergestickte Stoffe, dort Kupfergegenstände, dann wieder Silber- und Gold- waaren in filigraner Arbeit, Waffen, türkische Pfeifenrohre aus Jasmin und Weichsel mit reichen Bernsteinmundstücken angeboten. Verschiedene Kaufherren fordern zur Besichti­gung ihrer Teppiche auf, und so treten denn auch wir bei einem gewissen Kalil ein.

Ein grosser schöner Hof, zum Theile überdeckt, nur in der Mitte dem tiefblauen Himmel Einlass gewährend, auf drei Seiten mit Arkaden im ersten Stock, während die vierte Wand, das Ueberbleibsel eines alten Gebäudes, wahrschein­lich einer Schule, die reizendsten Steinarbeiten, kleine, durch Bögen getheilte Fenster, zierliche Thürpfosten etc. zeigt. Man.lässt sich auf Sesseln nieder, erhält den obligaten Kaffee und nun werden die in grossen Stössen aufgehäuften Schätze gezeigt und angepriesen. Teppiche von Mekka für die Ver­richtung der Gebete, Teppiche aus Persien, Bokhara, Schiras, Smyrna in endloser Zahl, von den verschiedensten Farben und Zeichnungen werden ausgebreitet.

Der Besitzer, ein schöner, langbebarteter alter Türke, ertheilt die Winke; zwei Vermittler übersetzen die Preise, rathen dringend zum Ankäufe, schlagen wohl auch zu, selbst wenn man eine äusserst niedrige Summe geboten hat, Dann entsteht ein Streit zwischen dem Herrn und seinen Gehilfen mit lebhafter Gesticulation, doch endlich beruhigt sich der alte Herr. Es war ja doch nur ein theatralischer Streit zum Schein, um den Fremden glauben zu machen, dass er weit unter dem Werthe eingekauft habe. Verlässt man schliesslich den Laden, so wird man augenblicklich von anderen Händlern überfallen: zu ihnen soll man kommen, denn sie haben die schönsten Teppiche, ja sie seien eigentlich die Einzigen, die