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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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die angenehme Nachricht, dass wir uns des starken Sturmes halber nicht in Ismailia selbst einschiffen können, sondern uns ungefähr anderthalb Stunden weit begeben müssen. In Ismailia benützt der Canal den Timsahsee, dessen ansehnliche Wasserfläche vom Winde zu mächtigen Wellen aufgepeitscht wurde.

In langer Karavane marschirten wir daher dem Point 6 zu. Einige wenige Damen, darunter Anna, hatten in zwei Wagen Platz gefunden. Alle Anderen gingen den langen Weg zu Fuss, getrieben von dichten Staubwolken, die der Südwind uns heulend nachjagte. Endlich war Alles auf den zwei Dampfschiffen angelangt, das Gepäck verladen; nach langer Anstrengung gelang es der Mannschaft, uns von dem Ufer, an das uns der Wind anpresste, flott zu machen, und nun fuhren wir mit Selbstbewusstsein auf dem Suezcanal zwi­schen zwei Welttheilen dahin.

Die Fahrt ist einförmig; rechts und links mehr oder weniger hohe Dämme, die jede Aussicht versperren. Heute war es geradezu entsetzlich, denn wir waren buchstäblich in Sandmassen eingehüllt, die sich in dichten Schichten auf uns ablagerten. Einige grosse Schiffe, an denen wir vorbeifuhren, waren durch den Sturm in ihrer Fahrt aufgehalten. Kolossale Baggermaschinen arbeiten ununterbrochen, um die Fahr­strasse vor Versandung zu bewahren.

Die Tiefe des Canals ist im Allgemeinen 8 Meter, die Breite des Wasserspiegels 8oioo Meter, jene der Sohle 22 Meter. An gewissen Punkten, Gare genannt, können die grossen Schiffe einander ausweichen.

Es ist ein grossartiges Werk, würdig des Pyramiden­landes; hoffentlich ein bleibendes Denkmal unseres Säculums. Die Idee ist nicht neu, denn schon Ramses II. verband beide Meere durch Canäle; Necho II. von der XXVI. Dynastie trug