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dem Kopfe und stiess laute Rufe aus. Sie nennen dies Fantasia.
Nach zwei Stunden waren wir am Ufer des todten Meeres, jenes merkwürdigen Sees, der 1280 Fuss unter dem mittelländischen Meere liegt. Ein blauer Spiegel, dessen Länge nicht zu übersehen ist, liegt gebettet zwischen den hohen, steilen Bergen Moabs und Judas. Am Ufer liegt das Holz angeschwemmt, welches der Jordan dem See zuführt. Die Ufer sind flach und ganz kahl, mit Ausnahme weniger Fettpflanzen. Nun wandten wir uns gegen die Berge.
Der Steig ist steil und langsam nur schreiten die Pferde dahin. Die Sonne meint es gut. Die Nordlehnen der Berge sind dicht mit Gras bewachsen, in dem massenhafte Blumen das Auge erfreuen, die Südlehnen dagegen ohne jede Vegetation, der nackte Stein. Nachdem man mehr als eine Stunde mühsam in Schluchten hinaufgeklommen, kommt man in einen weiten, von schroffen Höhen eingeschlossenen Kessel, el-Bukeija. Manchmal hat man eine schöne Fernsicht auf Theile des Meeres und der Jordanebene, während die jenseitigen Berge in duftigem Blau der Ferne erscheinen. Auf einem kleinen Hügel wird die Mittagsrast gemacht. Wir sind im Gebiete eines andern Beduinenstammes, der Arab es-Sara- haret el-Wäd. Ihr Scheik Ali, eine mächtige Persönlichkeit, dem 400 bewaffnete Beduinen gehorchen, besuchte uns. Ein würdiger alter Mann in einfachem Gewände, über welchem er einen Pelz trägt. Die blossen Beine in hohen Stiefeln; die türkische Pfeife in der Hand.
Er lud uns zu sich in sein Lager. In einem engen Seiten- thale waren die schwarzen Zelte, etwa dreissig an der Zahl, aufgeschlagen. In der Mitte das grösste, nach drei Seiten offen, das des Scheiks. Auf Polstern und Decken nahmen wir Platz und tranken den angebotenen Kaffee. Die Bewohner