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vom Kreuze überragte Kuppel erscheint. Wir betreten die Kirche von Süden. Moslemische Wächter kauern auf erhöhtem Platze am Eingänge; sie trinken Kaffee und rauchen dazu. Sie sind die Wächter der Kirche und der Ordnung; sie greifen mit der Peitsche ein, wenn die Pilger der verschiedenen Confessionen in Streit gerathen.
Der Salbungsstein liegt vor uns, während rechts eine Stiege hinanführt zur Calvarienbergcapelle: zwei niedrige Wölbungen überdecken den Raum, wo das Kreuz stand und jenen, wo der Heiland an dasselbe geheftet wurde. Auf er- sterem steht der griechische, auf letzterem zwei katholische Altäre. Ein feierliches Dunkel lagert im Raume, welcher nur durch Lampen und Wachskerzen erleuchtet ist. Plier muss man zur Andacht gestimmt werden.
Von dem Salbungssteine sich links wendend, gelangt man zu dem Steine, der die Stelle bezeichnet, wo die heiligen Frauen der Salbung beiwohnten, und an diesem vorbei in die grosse, auf mächtigen Pfeilern ruhende und durch eine Bogenreihe von Lampen beleuchtete Rotunde, unter der gewaltigen flachen Kuppel. In diesem Raume steht das Sanctissimum: die Kirche, welche die Grabesstelle bedeckt. Zahllose Kerzen und Lampen füllen die Wände. Ein niedriger Eingang führt vorerst in eine kleine Capelle, in der der Engel die Auferstehung des Heilands verkündete, und anstossend hieran ist das Grab des Erlösers, auf dem der Altar steht, welcher von Katholiken, Griechen und Armeniern als heiligster Ort betrachtet und abwechselnd benützt wird. Wenige Personen nur finden Platz für die Verrichtung eines kurzen Gebetes; sie verlassen den Ort wieder, um andere einzulassen, denn Alle wollen ja hier in ihrer Sprache, in ihrer Religion den Einen Gott verehren. Drei Jahrhunderte kämpften die Gläubigen früherer Zeiten um den Besitz dieser Stätten. Sie