Gasse schreitet man über Stufen hinab und gelangt auf den von drei .Seiten durch Kirchenräume (Capellen verschiedener Confessionen) eingefassten Platz vor dem Hauptportale. Auf den Stufen wie auf dem Platze wimmelt es zu jeder Tageszeit von Menschen. Verkäufer frommer Gegenstände kauern auf dem Boden, ihre Waaren anpreisend. Die Pilger stehen herum und drängen dem Eingänge zu. Sehr viele russische Bauern, in hohen Stiefeln und weiten Hosen, den kurzen Pelz um den Leib geschlagen und auf dem Haupte die Mütze, die auf dem im Nacken gerade abgeschnittenen dichten Haare sitzt. Russische Frauen mit dem unschön gebundenen Kopftuche. Die hiesigen christlichen Frauen in weissem, die ganze Gestalt umhüllenden Tuche, die Bethlehemitinnen in der malerischen, mit Münzen geschmückten Kleidung. Die Männer ernst und feierlich, mit dem Turban in der Hand, wenn sie die Kirche betreten. Schöne Gestalten mit grossen Bärten, ohne einen jüdischen Typus im Gesichte. Franziskaner, baarhaupt, in härenem Gewände, mit dem weissen Stricke um die Hüften, auf Sandalen gehend. Weltgeistliche mit dem breiten Hute, der Orden des Cardinais Lavigerie weiss, mit schwarzem Pilgerhute, den dunklen Rosenkranz im Gürtel. Russische Popen, mit dem steifen, schwarzen, abgestutzten Kegel auf dem Kopfe, von dem ein schwarzes Tuch herabfällt. Grosse Bärte — auf der Brust hängt ein Heiligenbild an färbigem Bande. Armenische Geistliche, mit der schwarzen spitzigen Kapuze auf dem Haupte. Klosterfrauen, die hier ihrem edlen Berufe folgen, mit gesenktem Blicke. Alles strebt dem einen Ziele, der Grabeskirche, zu. Zwei romanische Bögen, durch Säulen getrennt; der linke ist der Eingang zur Kirche; über demselben die gleichen Bögen als Fenster mit reicher Ornamentirung. Sonst keine Ausschmückung der Façade, über welcher die grosse, flache,
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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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