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imp. aust. hieros. rex.“ Eine Gabe unseres geliebten Kaisers. Durch enge Gassen an der griechisch-unirten Kirche, der alten Synagoge, in der Christus gelehrt hat, vorbei, zu einer kleinen Capelle, die im Jahre 1861 über der sogenannten „mensa Christi“ erbaut wurde. Ein grosser, ungefähr einen Meter hoher, flacher Felsblock soll der Sage zufolge dem Heilande nach der Auferstehung als Tisch gedient haben, als er mit seinen Jüngern speiste. Im mohammedanischen Stadttheile liegt die Werkstatt Josefs, jetzt eine kleine Capelle; verschiedene alte Mauern und Fundamente, die gefunden wurden, liefern den Beweis, dass hier einst eine grosse Kirche gestanden hat. Nun gingen wir noch zu dem Kloster der barmherzigen Brüder, die im Osten von Nazareth, an dem Wege gegen Tabor ihre Ansiedlung haben. Sie wollten ein Spital errichten, doch konnten sie bisher die türkische Erlaubniss nicht erhalten. Vorläufig steht nur ein Theil des Gebäudes. Frater Schilling, ein Wiener, empfing uns, und bald sprengt auch Frater Dr. Dolezal, der die Fahrt auf der „Venus“ mit uns gemacht hatte, von einem Krankenbesuche heimkehrend, im Galopp zum Kloster. Er ist ein Prager, der zuletzt in Teschen war und, seit wenigen Tagen hier, jetzt der einzige Arzt der Gegend. Flut ab vor dem frommen Berufe, dem hier Franziskaner und barmherzige Brüder ihr Leben weihen!
Bei dem Marienbrunnen steht unser Lager. Flier schöpfte die heilige Jungfrau Wasser, denn es ist der einzige Brunnen Nazareths. Wo das F'hal sich erweitert, ist ein schöner Blick auf die Ebene Jesrael, das Schlachtfeld Palästinas zu allen Zeiten. Hier besiegte Gideon die Midianiter, David die Ama- lekiter; hier fiel Saul gegen die Philister, erhielt König Josua von Juda die Todeswunde; hier standen die Truppen der Makkabäer; zu Zeiten der Römer und Kreuzfahrer wurden