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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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Nazareth anhält. Man sieht en-Nasira, die Blume Galiläas, wie sie auf Hebräisch heisst, erst von der Höhe aus, an der es liegt. Im Osten erhebt sich der Tabor. In der Mulde des Berges eingebettet, liegt die reinliche .Stadt, in welcher unser 'Heiland seine Jugendjahre zubrachte. In frühchristlicher Zeit stand hier eine von der Kaiserin Helena gebaute Basilika; die Kreuzfahrer nahmen den Ort ein und bauten eine Kirche, doch auch diese wurde wieder von den Mohammedanern zer­stört. Im 17. Jahrhunderte siedelten sich die Franziskaner an, und in ihrer eifrigen Obsorge sind auch heute noch die heiligen Orte. Das grosse Franziskanerkloster mit der schönen Kirche erhebt sich über der Grotte, welche die heilige Fa­milie bewohnte. Als wir die Kirche betraten, war gerade der Segen. Zahlreiche Andächtige knieten am Boden. Ein alter Franziskanermönch mit langem weissen Barte, von anderen Mönchen geleitet, stieg hinab in die hell erleuchtete Grotte, um an der Stelle, an welcher der junge Heiland lebte, den Segen mit dem hochwürdigsten Gute zu spenden. Schöner Kirchengesang, vom Volke mitgesungen. Nach der kirch­lichen Feier besichtigten wir die Kirche. Zum Hochaltäre, der dem heil. Erzengel Gabriel geweiht ist, führt eine Anzahl Stufen hinan; beiläufig eben so viele zur Grotte hinab. Vor dieser stand das Haus der heiligen Jungfrau, welches dem frommen Glauben zufolge von Engeln nach Loretto gebracht wurde. An der Stelle, wo die Mutter Gottes die Worte der Verkündigung hörte, wo der Engel die Worte sprach:Ge- grüsset seist Du, Maria! Du bist voll der Gnaden, der Herr ist mit Dir, Du bist gebenedeit unter den Weibern! steht der Altar mit der Inschrift:Hic verbum caro factum est. Weiter ein Altar des heil. Josef. Die reichen, in Marmor ausgelegten Altäre sind Geschenke der Stadt Neapel. Einer, sehr schön gearbeitet, trägt die Inschrift:Franciscus Josefus,