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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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während wir eine Bootfahrt dahin unternahmen. Der Tag war prachtvoll, sehr heiss: wir sind ja noch immer 680 Fuss tiefer als die Meeresfläche. Wir bestiegen den Kahn und ruderten an Tiberias vorbei. Auch von der Wasserseite war die Stadt einst befestigt; Mauerreste und runde Thürme er­heben sich aus den Fluthen.

Vom Boote aus kann man so recht in den Schmutz dieser Judenstadt schauen. Die Häuser haben ihre Terrassen und Plattformen gegen diese Seite. Es war Schabbes, einige Juden wuschen sich äusserst primitiv am Rande des Sees; sie wurden nicht sehr nass bei dem Geschäfte; andere hörte man in der Synagoge beten. Das katholische und griechische Kloster stehen hart am Ufer. Nun wandten wir mehr in den See und fuhren gegen das nördliche Ende desselben. Da, wo spärliche Reste des alten Capernaums zu sehen sind, legten wir an. Die Landung ist schwierig, denn grosse Basaltblöcke liegen am Ufer und im Wasser. Durch manns­hohe Disteln, Brennesseln und Hederich brachen wir uns mühsam Bahn. An dem Orte, wo der judenfreundliche Haupt­mann wohnte, dessen Knecht Christus heilte, lagen einige Säulen und Kapitälreste in dem dichten Grün. Bei der Rück­fahrt sahen wir von Weitem das Dorf Medschdel, das alte Magdala, die Heimat Maria Magdalenas. Unser Lager ist an der Feigenquelle, Ain et-Tineh, in nächster Nähe des Khan Minje, welcher an der Stelle des Fischerdorfes Beth-Saida stehen soll, von wo Petrus, Andreas und Philippus stammten. Hier treten die Berge des westlichen Ufers etwas zurück und lassen der fruchtbaren Ebene el-Ghuveyr Raum. Die Luft ist klar, kein Wölkchen bedeckt den Himmel, der .See fast ganz zu übersehen.

Die schlagenden Wachteln verlockten uns, wir holten noch reichlichen Braten für morgen.