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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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matten und aus Ziegenhaar gewobenen Stoffen wohnend, treiben sie Ackerbau und Viehzucht. Grosse Heerden von Pferden, Rindern und Büffeln weiden aller Orten.

25. März. Die Entfernung nach Banyas ist keine grosse, nftan braucht nicht ganz sechs Stunden, so liessen wir uns denn mit dem Aufbruche Zeit. Starker Thau überzog in silbernen Tropfen das frische Gras. Der Himmel war leicht bewölkt, erst gegen Nachmittag wirkte die Sonne mit voller Kraft. Der Weg führt anfangs längs der Berge dahin, zur Rechten zieht, sich lange noch der ausgedehnte Sumpf des Meromsees. Pelikane, Reiher, Enten und Möven tummeln sich auf den kleinen Wasserflächen, die man sieht; Schild- kröten sitzen auf den Steinen des Ufers, mit langem Halse aus dem festen Hause herausschauend und in das Wasser gleitend, wenn sie eine Gefahr erblicken. Viele kleine Quellen entspringen aus der Lehne, zum Theile mit klarem Wasser zu dem Sumpfe fliessend; theils vom Ursprünge an im fetten Boden Sümpfe bildend, die sich bis zum See hinziehen. Wo man auf solche Wasseradern stösst, muss man sie entweder umreiten oder vorsichtig eine Furt durch dieselben suchen. Das Ufef ist dicht bewohnt. In geringer Entfernung von einander stehen in langen Linien die schwarzen Zeltdörfer, aus welchen die Kinder herauseilen, umBakschisch zu er­betteln, die Erwachsenen, um die Reisenden zu betrachten, vielleicht auch zu verspotten. Die Hunde bellen wüthend den Reitern nach. Es sind verschiedene Araberstämme, die jeder unter einem eigenen Scheik hier wohnen.

Endlich hat der eigentliche, schilfbewachsene Sumpf aufgehört. Ueppiges Weideland, von Heerden bevölkert, ist an seine Stelle getreten; der weite Kessel schliesst sich. Wir reiten in östlicher Richtung an und über die Hügelrücken

hin. Wir sind im Quellengebiete des Jordans, der in mehreren

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