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Terrasse; die Gäste mussten Platz machen und bald sassen wir ä la Turque mit untergeschlagenen Beinen auf den herbei- geschafften niedrigen Polstern. Eine arabische Hochzeit ist anders als bei uns. Drei Tage’ lang wird im Hause des Bräutigams gejubelt, die Braut aber fehlt; die Frauen sind bloss versteckte Zuschauerinnen, nur die Mutter des Besitzers war von Zeit zu Zeit geschäftig zu sehen; denn uns, den Ehrengästen, musste Kaffee geboten werden. Nach drei Tagen wird die Braut, welche zwei Tagereisen entfernt wohnt, abgeholt werden, dicht verschleiert wird sie in ihr zukünftiges Heim gebracht, und die Feste haben ihr Ende. Bei vornehmen Leuten hat weder der Bräutigam, noch einer der Gäste die Braut gesehen. Bei der Dorfhochzeit geht es wohl nicht so strenge zu, denn die Frauen sind hier nicht verschleiert und halten nur bisweilen das wallende weisse Tuch vor den Mund.
In einer Ecke der Terrasse sassen im Kreise Sänger, welche abwechselnd beim Klange der Tambourine mit eigen- thümlich näselndem Tone, aus dem Stegreif dichtend, Loblieder auf das zukünftige Ehepaar und auf die Gäste sangen, während der Chor, in die Hände schlagend, mit einem Refrain einfiel. Ein Jüngling springt auf und beginnt den Tanz. In kleinen Schritten über den Teppich hinschwebend, wiegt und wendet er den Oberkörper, mit graciösen Bewegungen der Arme den Tanz begleitend. Ihm folgt ein Mann, der sich ebenfalls dreht und wendet und dessen Auftreten wild und ungestüm ist. Wieder fällt der Gesang ein, dann wird ein Scheingefecht aufgeführt. Zwei Fechter mit krummen scharfen Säbeln treten in den Kreis. Der Säbel wird um den Kopf geschwungen, zum Munde geführt, dann vor uns auf den Boden gelegt; es ist dies der Gruss. Jetzt beginnt das Fechten. Die Klingen werden nicht gekreuzt. Die Moulinets pfeifen durch die Luft, hoch über dem Kopfe nach vorne, und tief über