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ist erreicht. Im breiten Bette zwischen Mauern fliesst der Barada nunmehr besänftigt dahin; er hat die Sprünge der Jugend vergessen. Die Moschee Tekkije Sultan Selim’s mit dem grossen, mit Kuppeln bedeckten Gebäudecomplexe, dem Wohnorte der Armen, liegt vor uns. Aus der Landstrasse wird eine Strasse der Stadt; Verkäufer von Esswaaren und Erfrischungen, die heute aber überflüssig sind, schreien und klappern mit ihren Gefässen. — Wir sind beim Hotel Victoria, das einem Oesterreicher gehört, angelangt und erfreut, uns und unsere Kleider von dem dichten Staube reinigen zu können.
Das Hotel liegt am Flusse, der in der Nähe überwölbt ist. Hier befindet sich ein grosser Platz mit öffentlichen Gebäuden. Die zahllosen Menschen, die nach und aus der Stadt über den Platz strömten, lockten auch uns hinaus. Damaskus ist die wahre Stadt des Orients, Alles trägt dessen Merkmal und wirkt in diesem Charakter auf den Fremden. In fruchtbarer Ebene gelegen, weit und breit von Gärten umgeben, erscheint es dem Orientalen als das ersehnte Ziel, und die arabischen Dichter preisen die .Stadt als „die Perle des Orients“, „das Gefieder der Paradiesespfauen“, als „das Auge des Ostens“ und „das Halsband der Schönheit“.
Und in der That, auch der Europäer, dessen Auge an Grün gewöhnt ist, muss es paradiesisch finden, denn hier spriesst und blüht, grünt und reift es in tropischer Ueppigkeit; die Gärten greifen bis in die Stadt hinein, und selbst auf vielen Strassen und Plätzen breiten Bäume ihre schattenspendenden Aeste aus, während zierliche Zwergbäumchen in voller Blüthe auf den Gassen zum Verkaufe ausgeboten werden.
Nach den Angaben zählt Damaskus 150.000 Einwohner, doch werden bei türkischen Zählungen die Frauen nicht mitgerechnet. Christen, Juden und Mohammedaner wohnen in verschiedenen Vierteln, der gesammte Handel und Wandel