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aller Confessionen aber spielt sich in denselben Strassen urid Bazaren ab. Wie soll man es unternehmen, das rege Leben zu schildern, welches stets wechselnd, lärmend und vielfarbig an dem Beobachter vorüberzieht?
Ein Netz von Bazaren, breiten und schmalen überdeckten Strassen, dient dem Arbeiter als Werkstätte, dem Händler als Verkaufshalle; an die Bazare wiederum stossen die grossen Khane an, welche Waarenlager und Stallungen ■ enthalten. Manche Bazare stammen aus neuerer Zeit. Ein früherer Gouverneur, Midhat Pascha, gab den Kaufleuten den Auftrag, durch Umbau die Bazare zu erweitern, und liess, als dieser Aufforderung nicht Folge gegeben wurde, Feuer legen. Auf den Brandstätten wurden dann die jetzigen breiten, hoch überwölbten Bazare angelegt, während die übrigen ihren alten, engen, winkligen Zustand mit hohem spitzen Dach behielten.
In langen Reihen nebeneinander, ohne jeden Brotneid sitzen Handwerker und Verkäufer gleicher Gegenstände. Der Nachbar mischt sich als Vermittler in die Verhandlungen des Nachbarn, und erst, wenn der Käufer das Gewünschte nicht findet, lockt er ihn zu seinerVerkaufsstätte. Ist ein Seidenstoff, eine Waffe oder sonst dergleichen nach langem Handeln erstanden, so wird dem Käufer in der ganzen Zeile der gleiche Gegenstand geboten, als wollte man ein En-gros-Geschäft anlegen. Manche Khane sind prachtvolle Bauten; ein breites Thor führt in den mit hoher Kuppel überdeckten Raum. Ein grosses Wasserbecken steht in der Mitte; auf Pfeilern und Säulen ruht der um den Hof laufende Balcon des ersten Stockwerkes, dessen zarte Säulchen wieder das Deckengebälke tragen. Das Mauerwerk und die Bögen abwechselnd aus schwarzem und weissem Stein; die hohe Kuppel, der zweite vom ersten durch Säulen getrennte kleinere Raum machen durch Schönheit des Baues und Reichthum des Materials den
Franz Graf Th., Eine Orientreise. II