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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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einem Bette vereinigt, bald zahllose Inseln bildend, über die Steinblöcke hin. Der Weg stellenweise sehr schlecht, ja ge­fährlich neben dem reissenden Bache.

Bei el-Fidsche verengt sich das Thal; hier entspringt ein Zufluss des Barada. Als Strom bricht die Quelle aus dem Felsen hervor. Mauerreste eines alten der Flussgottheit ge­weihten Tempels erheben sich über dem Wasser. Alte Bäume umgeben den prächtigen Platz. Das Thal wird wieder breiter. Viele Ortschaften mitten in Obstbäumen. Bei Suk Barada standen unsere Zelte, am Fusse eines schroffen Felsens, auf welchem nach Ansicht der Bevölkerung Abel von seinem Bruder erschlagen wurde. Hier stand die alte Stadt Abila; zahlreiche Säulen und Capitälreste am Wege zeugen von der ehemaligen Pracht, von welcher heute nichts mehr zu sehen ist.

5. April. Im Thale, das immer enger wird, setzen wir unsere Reise fort. Die Felsen fallen steil ab, nur dem schäu­menden Bache Raum lassend. Dieser wird auf hoher schad­hafter Brücke übersetzt. Im Feisen ausgehauene Gräber und Nischen, Reste einer alten Wasserleitung und einer Römer­strasse zu sehen, welche laut Inschriften unter den Kai­sern Lucius Verus und Marcus Aurelius angelegt wurde. Unser Weg wird zum schmalen Gebirgssaumpfad. Ueber Felsplatten und Gerolle geht er manchmal hart am Bache hin, ist wohl auch stellenweise von diesem überfluthet, um dann wieder an den Lehnen hinanzulaufen. Ein schöner Wasserfall, an welchem eine Mühle malerisch liegt. Ober­halb desselben der eigentliche Ursprung des Barada, welchem von weiter her der kleine Bach von Zebedani zueilt. Der Barada hat eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Jordan. In mächtigen Quellen entspringend, hat er, wie jener, einen kurzen Lauf und verliert sich in den Sümpfen Bachret Atebe.